Wald-Knigge

Übersicht

Wald - Lebensraum, Produktionsbetrieb, Freizeitpark und Bildungszentrum

Hase mit Schild "WALD-KNIGGE": Gutes Benehmen im Wald

Unser Wald erfüllt zahlreiche Funktionen:

  • Er ist eine Öko-Fabrik, die nachhaltig Holz für viele Verwendungen produziert, als "Abfallprodukt entsteht der lebensnotwendige Sauerstoff.
  • Er ist Lebensraum und Rückzugsgebiet für unzählige Tier- und Pflanzenarten.
  • Er schützt den Boden und dient als Wasserfilter und -speicher ...
  • ... und zusätzlich dient er der Erholung der Bevölkerung - egal ob stiller Wanderer, genießender Radfahrer, temperamentvoller Mountain-Biker, begeisterter Pilzsammler, passionierter Reiter, neugieriger Geo-Cache-Fan, verantwortungsvoller Jäger oder, oder ...
  • Und er ist wertvoller Bildungsort für natur-interessierte Menschen, ob alt oder jung, aber auch für naturfern aufgewachsene Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Hier kann Natur mit allen Sinnen erfahren und erlebt werden!

Rücksichtnahme aller Waldnutzer ist unverzichtbar!


Denn nicht alle Ansprüche an den Wald sind konfliktfrei miteinander "unter einen Hut" zu bringen.

 

Die Gesetzgebung in Deutschland sieht ein grundsätzlich freies Betretensrecht des Waldes vor. Dies gilt unabhängig vom Eigentümer der Fläche. Dennoch ist stets zu bedenken, dass man sich auf fremdem Eigentum bewegt. §37 Landeswaldgesetz Baden-Württemberg regelt den Rahmen des Betretensrecht des Waldes wie folgt:

"Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten,

  • daß die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört,
  • der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie
  • die Erholung anderer nicht beeinträchtigt wird."

 

Ein paar nützliche Tipps dazu

Spazierengehen / Wandern

Zwei fröhliche Wald-Spaziergänger
Waldwandern

Spaziergänger oder Wanderer dürfen sich in Deutschland im Rahmen des Betretensrechts frei im Wald, auch abseits der Wege, bewegen
(Achtung: Im Ausland gelten oft völlig andere Regeln)!

 

Allerdings dürfen eingezäunte Flächen (z.B. Forstkultur) nicht betreten werden. Ebenso dürfen aus Sicherheitsgründen gesperrte Waldflächen (Holzfällarbeiten, Treibjagd) keinesfalls betreten werden. Hier besteht akute Lebensgefahr, auch wenn dies für den Waldbesucher nicht immer sofort erkennbar ist.

Radfahren / Mountainbiking

Drei Mountainbiker im Wald unterwegs
Mountainbiking

Radfahren ist in der Regel auf allen befestigten Fahrwegen über zwei Meter Breite im Wald gestattet!  
(§37(3) Landeswaldgesetz BaWü)

 

Abseits befestigter Wege ist das Fahren nur auf besonders als Mountainbike-Strecken ausgewiesenen Strecken erlaubt.

 

Querfeldein-Fahren im Wald ist zurecht verboten!

Diese Beschränkung ist sinnvoll, um Pflanzen zu schonen und Tiere nicht zu beunruhigen. Auch können durch Mountainbike-Spuren in hängigem Gelände bei starken Regenfällen zu Erosionsrinnen und damit zu Schäden für den Waldbesitzer führen.

Reiten

Zwei Reiter in gemütlichem Gang auf einem Waldweg
Reiten im Wald

Für das Reiten im Walde gilt ähnliches wie für das Radfahren: Es ist auf befestigten Fahrwegen gestattet. Abseits der Fahrwege ist Reiten nur auf speziell ausgewiesenen Reitwegen zulässig!


(§37(3) Landeswaldgesetz BaWü: "Nicht gestattet sind das Reiten auf gekennzeichneten Wanderwegen unter 3 m Breite und auf Fußwegen, das Radfahren auf Wegen unter 2 m Breite sowie das Reiten und Radfahren auf Sport- und Lehrpfaden."


Verantwortungsvolle Reiter sitzen nicht "auf dem hohen Roß", sondern respektieren alle "kleineren" Waldbesucher.

Geo-Caching

Geo-Caching: Wald und Technik
GPS-Empfänger (Quelle: www.geocaching.de)

Geo-Caching ist eine Trendsportart, die ein sehr intensives Walderlebnis mit den Werkzeugen der Computer-Generation verbindet:

Kleine "Caches", also Schatzkästchen, werden im Wald versteckt und mit GPS-orientierten Handgeräten geortet und gesucht.


Hier läßt das freie Betretensrecht des Waldes einen weiten Spielraum. Allerdings sollte dieses Hobby unbedingt auf die Tagesstunden beschränkt werden, da in der Dämmerung und nachts das Wild gestört wird und die Jagdausübung stark beeinträchtigt wird.


Generell: Verhalten Sie sich ruhig und unauffällig. Dann ist dieser Sport ein spannendes und lehrreiches Hobby und verschafft Menschen Zugang zum Wald, die sich sonst eher für Technik und vielleicht nicht so sehr für Wald und Natur interessieren.

Hunde im Wald

Spaziergängerin mit Hund

Hunde dürfen sich auf Waldwegen in der Regel ohne Leine bewegen. Ausnahmen sind Wald- oder Naturschutzgebiete oder tollwutgefährdete Gebiete, in denen Leinenzwang für Hunde besteht. Sie sind in der Regel durch Schilder eindeutig gekennzeichnet.

 

Jeder Hund ist von Natur aus Jäger! Auch der liebste Waldi kann sich nicht immer gegen seine Ur-Instinkte wehren und jagt dann hinter dem Wild her. Halten Sie ihn deshalb unter Kontrolle und stellen Sie sicher, dass er möglilchst auf dem Weg bleibt, damit das Wild ungestört bleibt.

 

Ganz besonders wichtig ist das Anleinen zur Zeit der Geburt der Jungen, v.a. im Frühjahr, wenn beispielsweise junge Rehkitze durch die Mutter hilf- und schutzlos in Wiesen oder im Wald abgelegt werden. Auch friedliche Hunde können dies Jungtiere in Panik versetzen oder verletzen, wenn ihr Jagdtrieb erwacht.

 

Besonders wichtig ist das Anleinen auch im Winter. Werden Wildtiere in kalten Zeiten beunruhigt oder gar gehetzt, so verbrauchen sie wertvolle Energie, die sie dann nicht mehr als Fettreserve oder Kälteschutz zur Verfügung haben.

 

 

Generelle Verhaltens-Tipps im Wald

Selbstverständliches - doch nicht für jede/n

Zigarettenkippe im Wald
Keinen Abfall in den Wald

Eigentlich selbstverständlich sollte es sein, im Wald keinen Lärm zu machen und dieses naturnahe Ökosystem nicht zu verschmutzen:


Also keine Abfälle in den Wald - auch wenn mancher Raucher die Zigarettenkippe immer noch nicht als Abfall anerkennen will oder andere das Papiertaschentuch oder die Bananenschale achtlos wegwerfen. Dass dies bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeiten sind, versteht sich von selbst.

 

In der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober ist das Rauchen im Wald verboten, da schon ein kleiner Funke oder eine weggeworfene Zigarettenkippe in der trockenen Streu einen Waldbrand verursachen kann.

 

Verhalten Sie sich im Wald als gute und rücksichtsvolle Gäste, so wie Sie es von anderen Mitmenschen ihn Ihrem Haus oder Garten wünschen und erwarten würden!

Ist doch eigentlich einfach, oder?

 

Fahren mit Kraftfahrzeugen

Wald-Schranke

Das Fahren mit Kraftfahrzeugen (ausgenommen Krankenfahrstühle und elektrisch betriebene Fahrräder) ist

per Gesetz im Wald grundsätzlich verboten - auch wenn kein Verbotsschild am Waldeingang steht und keine Waldschranke zu sehen ist!

 

Ausnahmen gelten für Eigentümer von am Weg gelegenen Waldgrundstücken und Fahrer mit schriftlicher Sondergenehmigung des Forstamtes wie etwa Jagdausübungsberechtigte, Holzkäufer oder Brennholz-Selbstwerber.

 

Parken Sie bitte nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen, da Ihr Fahrzeug sonst zum Hindernis für Rettungswagen und Holztransporter werden könnte.


Waldsperrung = Lebensgefahr!

Waldsperrung wegen Holzfällung
Fällarbeiten = Lebensgefahr

Gesperrte Waldflächen (Holzfällarbeiten, Treibjagd) dürfen nicht betreten werden, da sich der Waldbesucher dadurch in Lebensgefahr begibt!

 

Nicht immer ist es für Waldbesucher, etwa Spaziergänger, Jogger oder Mountainbiker einsichtig, warum der Durchgang verboten sein soll - vor allem wenn gerade keine Motorsäge zu hören ist, oder es gerade Sonntag ist.

In Gebieten, in denen gerade Holz gefällt wird, können aber jederzeit Gefahrenquellen vorhanden sein (z.B. hängende Bäume), die den Durchgang zum lebensgefährlichen "Russischen Roulett" machen.

Außerdem behindern Sie die Waldarbeiter, die für Ihre gefährliche Arbeit ihre volle Konzentration brauchen! Sonst wird es für sie ebenfalls lebensgefährlich.

Deshalb: Beachten Sie bitte unbedingt dieses Verbot und nehmen Sie unbedingt einen Umweg in Kauf.

Andernfalls machen Sie sich strafbar und haften für entstehende Schäden.


Wildtiere: Nicht anfassen!

Rehkitz im hohen Gras
Im Gras von der Ricke abgelegtes Rehkitz

Alle Wildtiere meiden den Menschen.


Auch wenn ein Wildtier besonders zutraulich sein sollte, sollten Sie es nicht berühren. Solch artfremdes Verhalten könnte auf eine Krankheit, etwa die auch für Menschen gefährliche Tollwut, hinweisen.

 

Jungtiere, zum Beispiel Rehkitze, werden von der Mutter von Natur aus in einem Versteck, etwa im hohen Gras, abgelegt und scheinbar verlassen. Berühren Sie dieses Tier nicht, da das Muttertier den Menschengeruch wittert und das Jungtier dann möglicherweise nicht mehr annimmt und versorgt

 

Im Winter muß der Stoffwechsel der Wildtiere "auf Sparflamme" laufen. Das im Herbst angefressene "Fett-Polster" ist der Vorrat, den die Tiere zur Verfügung haben. Durch Querfeldeinwanderungen im Winter werden die Tiere aufgeschreckt und verbrauchen viel zuviel Reservestoffe.


Deshalb: Bleiben Sie bitte besonders während der Zeit der Aufzucht der Jungen und im Winter auf den Wegen!

 

Jagdliche Einrichtungen

Jagdkanzel im Fokus
Jagdkanzel

Auch wenn es noch so sehr reizt, den Ausblick von einer Jagdkanzel zu riskieren:


Jagdliche Einrichtungen sind in der Regel Eigentum des Jagdpächters. Das Betreten jagdlicher Einrichtungen ist - alleine schon aus Sicherheitsgründen - grundsätzlich nicht erlaubt!

 

Ausnahmen sind besonders für Besucher eingerichtet und gekennzeichnete Aussichts-Plattformen.

Sturm und Gewitter, Schnee und Eis

Vom Sturm gebrochene Fichte
Vom Sturm gebrochene Fichte

Bei Sturm oder Gewitter sollten Sie den Wald so rasch als möglich verlassen!

 

Bei Wind oder Sturm besteht nicht nur die Gefahr, dass Bäume vom Sturm umgeblasen werden; ein abbrechender toter Ast genügt völlig, um schwerste Verletzungen oder Tod zu verursachen. Es ist ein folgenschwerer Irrtum, darauf zu vertrauen, "man könne ja noch weglaufen, wenn man es krachen hört". Ein umstürzender Baum "kracht" mitunter erst am Boden.

 

Die alte Bauernregel bei Gewitter "Eichen sollst Du weichen - Buchen sollst Du suchen" können sie getrost vergessen: Alle Bäume sind durch ihre Höhe potenzielle Blitzableiter, unter denen es gefährlich werden kann.


Schnee- und Eisbruch: Im Winter nach Schneefall tragen die Baumkronen eine mitunter sehr schwere Last. Insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann es zu Nassschnee kommen, der weniger leicht von den Baumkronen geblasen wird wie kalter Pulverschnee. Bei abwechselnd tauendem und gefrierendem Wetter kann es zu Eisanhang kommen, der tonnenschwer sein kann. Schnee und Eis kann Bäume zum Umstürzen bringen und Äste oder ganze Kronen abbrechen. Die Gefahr für den Waldbesucher ist ähnlich der bei Wind und Sturm. Bei solcher Witterung sollte der Wald aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden!

 

Feuer

Feuer im Wald
Waldbrand - eine unterschätzte Gefahr

Waldbrandgefahr wird besonders in der warmen Jahreszeit, aber auch in Trockenperioden, unterschätzt.

 

Grundsätzlich darf man im Wald und bis zu einer Entfernung von 100 Metern davon nur auf den ausgewiesenen Grillstellen Feuer machen!
(Gesetzeswortlaut siehe Landeswaldgesetz BaWü)

 

Ausnahmen gibt es für Waldbesitzer, um Reisig (etwa mit Borkenkäfer-Befall) zu verbrennen. Dies müssen Waldbesitzer aber vorab bei den Behörden anmelden und strenge Sicherheitsvorschriften beachten.

 

In der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober ist das Rauchen im Wald verboten, da schon ein kleiner Funke oder eine weggeworfene Zigarettenkippe in der trockenen Streu einen Waldbrand verursachen kann.

 

Fuchsbandwurm

Waldfrüchte und Pflanzen - vor allem in Bodennähe - nicht roh verzehren. Sie könnten sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren, der sogar nach Jahrzehnten zum lebensbedrohenden Krankheitsausbruch führen kann.




 

 

 

Allergie

Allergie?
Allergie?

Falls Sie gegen Insektenstiche allergisch sind, denken Sie an die kleine Notfallapotheke und nehmen Sie ihre Medikamente mit.

 

 

 

 

Zecken

Gemeiner Holzbock (Zecke)
Zecke

Zecken (auch: Holzbock) sind natürliche Waldbewohner, die sich vor allem im Gras aufhalten und hier auf ihre Beute, Warmblüter, also auch Menschen, warten. Sie lassen sich dort abstreifen, um dann eine geeignete Körperstelle aufzusuchen und durch einen Stich mit den Mundwerkzeugen zur Blutmahlzeit zu kommen.

 

Da sie durch ihren Stich Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen können, sind Vorsichtsmaßnahmen angeraten.

Damit diese Krankheiten nicht schwer wiegend werden, ist es notwendig, Zeckenbisse ernst zu nehmen:

  1. Gegen FSME kann man sich vorbeugend wirkungsvoll impfen lassen, was allen, die sich häufig in Wald, Landschaft, aber auch im Garten aufhalten, empfohlen wird!
  2. Borrelliose läßt sich durch den Arzt bei frühzeitigem Erkennen mit Antibiotika wirkungsvoll behandeln. Eine vorbeugende Impfmöglichkeit gibt es hier nicht.

Bei einem Zeckenstich ist Folgendes beachten:

  • Zecke möglichst rasch mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte, notfalls einer Pinzette oder mit den Fingernägeln, mit einer Drehbewegung entfernen, da die Krankheitserreger mit dem Speichel der Zecke übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt mit der Dauer eines Zeckenstichs. Es spielt  keine Rolle, ob Sie die Zecke rechts- oder linksherum herausdrehen.
  • Einstichstelle markieren und die nächsten Tage genau beobachten!
  • Bei starker Rötung der Einstichstelle (ab etwa dem Umfang eines Zehnpfennigstückes), sich verändernder Rötung (Wanderröte) oder Auftreten von grippeähnlichen Symptomen sollte unverzüglich der Arzt aufgesucht werden!

 

Liebe Waldfreunde

Hase mit Schild: Genießen Sie unseren Wald!


auch wenn es im Wald vieles zu beachten gilt, soll der "Waldknigge" keinesfalls eine Abschreckung sein, sich im Wald zu erholen.

 

Jeder Waldaufenthalt ist ein immer wieder überraschend neuer, intensiver und schöner Kontakt zur Natur mit manchen unvergesslichen Erlebnissen. Balsam für Körper und Seele!