Waldgefährdungen

Waldzustand in Baden-Württemberg

Untersuchungsergebnisse 2017

 

Der Waldzustand in Baden-Württemberg zeigt sich im Jahr 2017 trotz einer regional sehr angespannten Wasserversorgung der Waldbestände leicht verbessert. Der mittlere Nadel-/Blattverlust über alle Baumarten und Baumalter hinweg verringert sich um 1,8 Prozentpunkte auf insgesamt 22,0 Prozent.

Daten zum Wald, seinem Aufbau und Zuwachs finden Sie über die Seite Waldinventur.


Die lange Trockenperiode mit landesweit unterdurchschnittlichen Niederschlägen von Dezember 2016 bis Juni 2017 führte dazu, dass an vielen Standorten die Wasservorräte im Boden zu Beginn der Vegetationszeit sehr gering waren. Lokal einsetzende Regenfälle und das landesweit etwas zurückgehende Niederschlagsdefizit führten bei weiterhin unterdurchschnittlichen Niederschlägen im Jahresverlauf jedoch zu einer leichten Entspannung. Erst in den Monaten Juli und August waren höhere Niederschläge zu verzeichnen, so dass sich die Baumkronen im Sommer 2017, trotz intensiver Trockenphase in der ersten Hälfte des Jahres, im Allgemeinen gut entwickeln konnten.
Die deutlichste Verbesserung im Kronenzustand ist dieses Jahr in älteren Buchenbeständen festzustellen, die nach der sehr starken Fruktifikation 2016 in diesem Jahr erkennbar dichtere Baumkronen ausbildeten. Eine starke Fruchtausbildung stellt für die Buchen regelmäßig eine hohe physiologische Belastung dar, die sich direkt in einer erhöhten Kronenverlichtung zeigt (Meining et al. 2016). Die Ergebnisse der Waldschadensinventur 2017 belegen die hohe Regenerationsfähigkeit der Buchen nach starken Fruktifikationsjahren. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Buche auf zunehmend stärkere und häufigere Fruktifikationsjahre infolge des Klimawandels reagiert und ob dies als Anpassungsfähigkeit der Baumart auf sich ändernde Klimabedingungen angesehen werden kann oder zu einer langfristigen Belastung der Buchen führt. Während die Buche im Landesdurchschnitt einen merklich geringeren  Blattverlust gegenüber dem Vorjahr aufweist, ist im Kronenzustand der Fichte kaum eine Veränderung fest zustellen. Damit bleibt die Kronenverlichtung der Fichte im zweiten Jahr in Folge nahezu unverändert. Der Kronenzustand der Tanne weist aktuell eine Verbesserung auf, die maßgeblich auf eine Erholung in Tannenjungbeständen zurückzuführen ist. Auslöser hierfür dürfte insbesondere der seit wenigen Jahren beobachtete rückläufige Befall durch die Tannentrieblaus in Jungbeständen sein. Aufgrund der warm-trockenen Witterung stieg die Borkenkäfergefahr für Fichte und Tanne im Jahr 2017 deutlich an. Besonders im Schwarzwald, aber auch in anderen Regionen Baden-Württembergs, erhöhte sich die Anzahl der Käferbäume im Verlauf des Sommers rasant. Entgegen des Erholungstrends von Buche und Tanne hat sich der Kronenzustand der Baumarten Kiefer, Eiche und Esche im aktuelle

n Jahr verschlechtert. Während die Vitalität der Eichen vor allem im nördlichen Baden-Württemberg durch das Vorkommen von blattfressenden Schmetterlingsraupen beeinflusst wurde, ist bei der Kiefer insbesondere im Rheintal eine drastische Zunahme der Kiefernkomplexkrankheit feststellbar. Unter möglicher Beteiligung von Trockenstress, pilzlichen Erregern, Rindenbrütern und Mistelbefall werden ganze Kiefernbestände stark geschädigt. Der Zustand

der Esche bleibt weiterhin besorgniserregend. Die Baumart ist landesweit massiv durch den pilzlichen Erreger des Eschentriebsterbens betroffen, der zu einer deutlich erhöhten Mortalitätsrate der Eschen führt.

[Auszug aus dem Waldzustandsbericht 2017, veröffentlicht am 18. 11. 2017]

 

Waldzustand Baden-Württemberg_Entwicklung der Schadstufenanteile seit 1985
Entwicklung des mittleren Nadel-/Blattverlusts nach Baumarten seit 2005

Entwicklung des Waldzustands in Baden-Württemberg, nach Schadstufen (links) und nach Hauptbaumarten (rechts)  von 1985 bis 2017 in Prozent aller Beobachtungen. (Zum Vergrößern auf die Grafiken klicken)

Geschichte der Waldschadensinventur

Ende der 1970er wurden - zunächst bei der Weißtanne - abnormale Nadelverluste festgestellt. Da sich diese so plötzlich einzustellen schienen, befürchtete man, dass die Weißtanne als Baumart aussterben könnte ("Tannen-Sterben"). Anfang der 1980er Jahre wurdenBesorgnis erregende Nadel- und Blattverluste auch an allen anderen Bäumen festgestellt. Das Szenario wurde zur apokalyptischen Vorstellung des "Waldsterbens" stilisiert.

 

Da die Schäden (bis zum Absterben ganzer Waldgebiete) am drastischsten in der Umgebung stark von Luftverschmutzung belasteter Industriezonen auftrat, suchte man zunächst in der Luftverschmutzung die Hauptursache. Die Diskussion führte zu politischen Schritten zur Luftreinhaltung, insbesondere zur Filterung und Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden, die man für die Bodenversauerung und damit indirekt für das "Waldsterben" verantwortlich machte ("Saurer Regen").

 

Als forstliche Umwelt-Monitoring-Maßnahme (Überwachung) wurde ab 1984 jährlich in Baden-Württemberg, bald darauf bundesweit, im Sommer eine "Waldschadensinventur" durchgeführt, deren Ergebnisse in einem Waldschadensbericht zusammengefasst wurden - später in Waldzustandsbericht umbenannt.

 

Dazu werden jährlich, teiweise in mehrjährigem Abstand, Untersuchungen durchgeführt. Dabei werden stets die selben Bäume in Raster-Stichproben (16x16, 8x8 und 4x4 km-Netz)  begutachtet.

Was wird untersucht?

Das Forstliche Umweltmonitoring in Baden-Württemberg umfasst viele verschiedene Themen und Messgrößen, die mit unterschiedlicher Intensität auf den Messnetzen untersucht werden. Hierzu zählen sowohl baumbezogene wie auch standörtliche Parameter, die zwischenzeitlich so gut miteinander vernetzt sind, dass themenübergreifende Auswertungen möglich sind.

 

Untersuchungsschwerpunkte im Einzelnen sind: der Kronenzustand, die Phänologie, der Zuwachs und die Ernährungssituation der Bäume sowie der Bodenzustand und die Bodenvegetation, der Wasser-, Nähr- und Schadstoffhaushalt sowie der Witterungsverlauf.

 

Der Aufbau des Forstlichen Umweltmonitorings gliedert sich systematisch in zwei Ebenen:

  • Die erste Ebene bilden die extensiv untersuchten Rasterstichproben, die aufgrund des hohen Stichprobenumfangs und der streng systematischen Auswahl der Stichprobenpunkte repräsentative Ergebnisse für die Waldfläche Baden-Württembergs liefern.
  • Die zweite Ebene bilden die Versuchsflächen, auf denen je nach Untersuchungsschwerpunkt eine große Anzahl von verschiedenen Untersuchungen durchgeführt wird.

Quelle: Auszüge aus dem Waldzustandsbericht 2016 (FVA BaWü)

Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen?

Als wichtigste politische Gegenmaßnahme wurde eine konsequente Luftreinhaltepolitik betrieben (z.B. TA Luft).

Um der Versauerung der Böden Einhalt zu gebieten, wurden in Baden-Württemberg die am Stärksten betroffenen (versauerten) Waldstandorte mit dem Ziel der Stabilisierung der Böden einer Bodenschutzkalkung unterzogen.
Waldbaulich wurde im Rahmen der Naturnahen Waldwirtschaft das Ziel, stabile Mischbestände zu erziehen, verstärkt.

Weiterführende Infos