Waldgefährdungen


Waldzustand in Baden-Württemberg

Waldzustandsbericht 2018

Daten zum Wald, seinem Aufbau und Zuwachs finden Sie über die Seite Waldinventur.


 

Für das Jahr 2018 ist für alle Baumarten, mit Ausnahme der Tanne, eine Verschlechterung des Kronenzustands festzustellen. Der mittlere Nadel-/Blattverlust der Wälder Baden-Württembergs erhöht sich gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozentpunkte auf 24,9 Prozent. Derzeit gelten 38 Prozent der Wälder als deutlich geschädigt.

 


Die außergewöhnliche Dürre und Hitze führten im Verlauf des Sommers 2018 zu einer deutlichen Austrocknung der Böden und somit zu einem erheblichen Wassermangel der Bäume. Die Belastung machte sich in einer frühzeitigen Welke und Blattverfärbung der Bäume sowie einer erhöhten Kronenverlichtung bemerkbar. Die Ergebnisse der diesjährigen Waldschadensinventur weisen für alle Hauptbaumarten Baden-Württembergs mit Ausnahme der Tanne eine erhöhte Kronenverlichtung auf. Der mittlere Nadel-/Blattverlust der Wälder Baden-Württembergs erhöht sich gegen-über dem Vorjahr um 2,9 Prozentpunkte auf 24,9 Prozent. Derzeit gelten 38 Prozent der Wälder als deutlich geschädigt.

 

Für die am häufigsten vorkommende Baumart Fichte wurde im Mittel eine leichte Verschlechterung des Kronenzustandes festgestellt. Hier spielen Borkenkäferbefall und Trockenstress insbesondere auf flachgründigen und trockenen Standorten eine entscheidende Rolle. Zahlreiche Fichten wurden von den Borkenkäfern „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ befallen, die sich aufgrund der langanhaltenden war-men Witterung landesweit stark vermehren und ausbreiten konnten. Aufgrund des hohen Wasserdefizits waren die natürlichen Abwehrmechanismen der Fichten, welche die Käfer mit Harz verkleben, in diesem Jahr deutlich herabgesetzt. Wie bereits in den letzten Jahren zeigt sich die Tanne im Vergleich zur Fichte als äußerst widerstandsfähig gegenüber Trockenstress. Durch ihr tiefer reichendes Wurzelwerk ist sie besser in der Lage, langanhaltende Trockenperioden zu über-stehen. Zudem kommt die Tanne meist in Bergmischwäldern mit verschiedenen Baumarten, wie Fichte, Buche und Bergahorn, vor, in denen aufgrund der großen Vielfalt die Borkenkäfergefahr im Vergleich zu Fichtenreinbeständen deutlich geringer ist. Starke Trockenstresssymptome waren regional bei der Kiefer zu beobachten. Vor allem auf wenig wasserspeichernden sandigen und steinigen Standorten wies die Kiefer im Sommer 2018 erhöhte Schäden auf.

 

Bedingt durch Trockenstress und intensive Fruchtausbildung erhöhten sich landesweit die Kronenschäden der Buche vergleichsweise stark. Dagegen zeigte sich die Eiche weniger anfällig gegenüber Trockenheit. Vielmehr wurden regional Eichenbestände durch verstärkten Fraß durch Raupen der Eichenfraßgesellschaft geschädigt. Besonders betroffen vom Fraßgeschehen waren vor allem das Neckarland und der nordöstliche Teil von Baden-Württemberg. Als besorgniserregend ist der Kronenzustand der Esche zu bewerten, die seit einigen Jahren massiv durch den pilzlichen Erreger des Eschentriebsterbens geschädigt wird. Der Pilz bringt die Triebe der Eschen zum Absterben und verursacht am unteren Stammabschnitt der Bäume Nekrosen, die zu einer Instabilität der Bäume führen. Die anhaltende Trockenheit im Jahr 2018 belastete vor allem bereits vorgeschädigte Eschen und führte zu verstärktem Absterben während des Sommers.

[Auszug aus dem Waldzustandsbericht 2018, veröffentlicht am 29.10. 2018]

 

Waldzustand Baden-Württemberg_Entwicklung der Schadstufenanteile seit 1985
Entwicklung des mittleren Nadel-/Blattverlusts nach Baumarten seit 2005

Entwicklung des Waldzustands in Baden-Württemberg, nach Schadstufen (links) und nach Hauptbaumarten (rechts)  von 1985 bis 2018 in Prozent aller Beobachtungen. (Zum Vergrößern auf die Grafiken klicken)

Geschichte der Waldschadensinventur

Ende der 1970er wurden - zunächst bei der Weißtanne - abnormale Nadelverluste festgestellt. Da sich diese so plötzlich einzustellen schienen, befürchtete man, dass die Weißtanne als Baumart aussterben könnte ("Tannen-Sterben"). Anfang der 1980er Jahre wurdenBesorgnis erregende Nadel- und Blattverluste auch an allen anderen Bäumen festgestellt. Das Szenario wurde zur apokalyptischen Vorstellung des "Waldsterbens" stilisiert.

 

Da die Schäden (bis zum Absterben ganzer Waldgebiete) am drastischsten in der Umgebung stark von Luftverschmutzung belasteter Industriezonen auftrat, suchte man zunächst in der Luftverschmutzung die Hauptursache. Die Diskussion führte zu politischen Schritten zur Luftreinhaltung, insbesondere zur Filterung und Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden, die man für die Bodenversauerung und damit indirekt für das "Waldsterben" verantwortlich machte ("Saurer Regen").

 

Als forstliche Umwelt-Monitoring-Maßnahme (Überwachung) wurde ab 1984 jährlich in Baden-Württemberg, bald darauf bundesweit, im Sommer eine "Waldschadensinventur" durchgeführt, deren Ergebnisse in einem Waldschadensbericht zusammengefasst wurden - später in Waldzustandsbericht umbenannt.

 

Dazu werden jährlich, teiweise in mehrjährigem Abstand, Untersuchungen durchgeführt. Dabei werden stets die selben Bäume in Raster-Stichproben (16x16, 8x8 und 4x4 km-Netz)  begutachtet.

Was wird untersucht?

Das Forstliche Umweltmonitoring in Baden-Württemberg umfasst viele verschiedene Themen und Messgrößen, die mit unterschiedlicher Intensität auf den Messnetzen untersucht werden. Hierzu zählen sowohl baumbezogene wie auch standörtliche Parameter, die zwischenzeitlich so gut miteinander vernetzt sind, dass themenübergreifende Auswertungen möglich sind.

 

Untersuchungsschwerpunkte im Einzelnen sind: der Kronenzustand, die Phänologie, der Zuwachs und die Ernährungssituation der Bäume sowie der Bodenzustand und die Bodenvegetation, der Wasser-, Nähr- und Schadstoffhaushalt sowie der Witterungsverlauf.

 

Der Aufbau des Forstlichen Umweltmonitorings gliedert sich systematisch in zwei Ebenen:

  • Die erste Ebene bilden die extensiv untersuchten Rasterstichproben, die aufgrund des hohen Stichprobenumfangs und der streng systematischen Auswahl der Stichprobenpunkte repräsentative Ergebnisse für die Waldfläche Baden-Württembergs liefern.
  • Die zweite Ebene bilden die Versuchsflächen, auf denen je nach Untersuchungsschwerpunkt eine große Anzahl von verschiedenen Untersuchungen durchgeführt wird.

Quelle: Auszüge aus dem Waldzustandsbericht 2016 (FVA BaWü)

Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen?

Als wichtigste politische Gegenmaßnahme wurde eine konsequente Luftreinhaltepolitik betrieben (z.B. TA Luft).

Um der Versauerung der Böden Einhalt zu gebieten, wurden in Baden-Württemberg die am Stärksten betroffenen (versauerten) Waldstandorte mit dem Ziel der Stabilisierung der Böden einer Bodenschutzkalkung unterzogen.
Waldbaulich wurde im Rahmen der Naturnahen Waldwirtschaft das Ziel, stabile Mischbestände zu erziehen, verstärkt.

Weiterführende Infos