Ökosystem Wald

"Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume"

Wald ist sogar sehr viel mehr als die Summe seiner Bäume.

Der Baum bereits ist ein kleines Universum: Ein Ökosystem inmitten eines noch größeren, dem Wald.

Was kennzeichnet das Ökosystem Wald aus?

Je naturnäher der Wald gepflegt wird, umso größer ist die Vielfalt der pflanzlichen, tierischen und pilzlichen Lebensformen. Diese Lebewesen in ihren individuellen Habitaten stehe in unglaublich vielen Wechselbeziehungen, Symbiosen, Nahrungsketten zueinander in Beziehung.

 

Nicht in jedem Wald sind die Wachstums- und Entwicklungsbedingungen, die Standortsfaktoren, die gleichen. Denn das Klima, die Niederschlagshöhe und -verteilung, Durchschnitts- und Extremtemperaturen, das Geländerelief, Hangneigung und Hangrichtung, das Gestein und der sich daraus entwickelnde Boden  bestimmen die ökologischen Bedingungen an jedem einzelnen Ort.


Ein Standort ist für manche Lebensgemeinschaften geeigneter, für andere ungeeigneter. Mit anderen Worten: an einen bestimmten Standort haben sich manche Lebensgemeinschaften anpassen können, andere nicht.

 

Nähern wir uns dem Waldstandort über seiner markantesten Glieder, die Bäume:

 

Jede Baumart hat ganz spezielle Ansprüche an ihren Standort, etwa an Wasser, Nährstoffe und Licht.  Jeder Baum ist deswegen an die einen Standort unterschiedlich gut angepasst und deshalb unterschiedlich konkurrenzfähig gegenüber anderen Bäumen und Pflanzen.

 

Beispiele:

Die hinsichtlich ihres Wasser- und Nährstoffbedarfs relativ anspruchslose Kiefer braucht viel Licht, also offene Flächen, um sich durchsetzen zu können. Wenn der Wald dicht und es am Waldboden dunkel ist,  kann sie nicht wachsen. Hier spielen in Mitteleuropa die Baumarten Buche und Tanne ihre Fähigkeit aus, auch lange zeit "unter Schirm", also mit wenig Licht unter dichtem Kronendach wachsen zu können - Bedingungen, unter denen eine Kiefer keine Chance hat ...

... bis eines Tages ein Baum aus Altersgründen oder weil er krank ist und abstirbt eine Lücke lässt oder eine starker Sturm eine Lücke reißt. Dann sind Lichtbaumarten wie die Kiefer zur Stelle und gleichen mit raschem Wachstum den Vorsprung aus, den sich Schattbaumarten oft über Jahrzehnte erkämpft haben.

 

Ein zweites bekanntes Beispiel: Fichtenwälder wurden wegen ihrer einfachen Anpflanzbarkeit, ihres hohen Wachstums und wegen der guten Holzeigenschaften vom 18. bis tief ins 20. Jahrhundert hinein auf allen möglichen Standorten - nicht selten in Reinbeständen - begründet. Da die Fichte aber gut durchlüftete Standorte braucht und auf nassen oder schweren Böden so flach wurzelt wie der Fuß eines Sektglases, ist sie dort hochgradig durch Sturmwurf gefährdet, sprich: nicht standortsangepaßt. Daraus resultierten großflächige Sturmwürfe der Fichte durch die Orkane zu Beginn der 1990er Jahren

 

Die Lehre aus diesen Beispielen ist, dass dem Waldstandort bei der Waldbegründung und -erziehung größte Aufmerksamkeit gilt. Und: Je vielfältiger ein standortsangepasster Mischbestand hinsichtlich seiner Baumarten- und Altersmischung ist, umso stabiler ist er, auch gegenüber biologischen Gefahren (z.B. Borkenkäfer-Massenvermehrung).

 

Eine unendliche Geschichte

Die Geschichte der Wechselbeziehungen und Konkurrenzdynamiken von Bäumen würde Bücher füllen, wenn man sie denn alle kennen würde.

Dann hätte man aber immer noch nicht die Strauch- und Krautschicht und ihren Einfluss berücksichtigt, geschweige denn die Moose und Farne oder die Welt der weitgehend unsichtbaren Pilze, die Herrscher unter dem Waldboden.

So steht die Erforschung der Mykorrhiza, der Pilzgeflechte im Waldboden - die offenbar nicht nur in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit den Waldbäumen leben, sondern sogar eine Art Transportnetz, vielleicht sogar die Funktion eines "Internets" zwischen den Bäumen bilden - ganz am Anfang.

 

Wären hier alle Geheimnisse gelüftet, wüsste man immer noch nichts über die Rolle der Tierwelt, die eine unersetzliche Rolle im Ökosystem Wald spielt - etwa bei der Bestäubung und Verbreitung von Pflanzen oder bei der Zersetzung von absterbenden Organismen zu Humus und damit zu Boden, der wieder die direkte oder indirekte Grundlage für das Leben selbst ist. Man wüsste noch nichts über die vielfältigen Nahrungsketten von Pflanzen-, Alles- und Fleischfresser.

 

Und selbst wenn würden wir alle Puzzle-Teile dieses wunderbaren Lebensraums kennen würden, so wüssten wir noch lange nichts über den ewigen Kreislauf des Lebens, der sich hier abspielt - sofern der Mensch sorgsam und nachhaltig mit diesem Schatz umgeht.

 

Gebannt

Totes Holz im dunklen Wald,

Bäume liegen kreuz und quer.

da und dort ein Kauzruf schallt

Motorsägen dröhnen längst nicht mehr.

 

Ein Baum wird wachsen - hoch und höher

bis er mächtig ist und alt.

Sein Ende kommt nun immer näher -

der Specht sich in die Rinde krallt.

 

Bis der Riese schließlich fällt,

vergeht vielleicht noch manches Jahr -

zum Wohlergeh’n der Vogelwelt

und einer bunten Käferschar.

 

Sein Daseinszweck ist nicht beendet,

wenn niederstürzt des Waldes Stolz

In der Natur wird nichts verschwendet -

manch’ selt’ner Pilz braucht totes Holz.

 

Wo einst geherrscht der mächt’ge Baum

fällt jetzt ein Lichtstrahl auf die Erde.

dort sprießt ein Keimling, man sieht ihn kaum,

auf daß er groß und stattlich werde.

 

Der Kreislauf schließt sich ein weiteres Mal -

wie oft noch, das steht in den Sternen.

Mensch - wir haben keine Wahl!

Natur, wir sollen

Natur, wir müssen

Natur, wir wollen von Dir lernen.

 

Gedicht zum Thema "Bannwald" (Dr. G. Strobel, Dez. 1996)

 

 

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