Waldfunktionen

"Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume."

Diese alte Weisheit fasst Multifunktionalität, also die Eigenschaft, viele Funktionen auf einmal zu erfüllen, in einem Satz zusammen.


Welche Funktionen erfüllt der Wald für uns Menschen, aber auch für Pflanzen und Tiere?


 

Wald ist Lebensraum für tausende von Tier- und Pflanzenarten, ist also Garant für eine unglaubliche Lebensvielfalt (Bio-Diversität).  Und: Wald wird von Menschen seit Jahrtausenden in vielfältigster Weise genutzt.

  • Wald schützt den Boden vor Erosion und Verarmung. Er hält den Kreislauf durch die Produktion von Humus in Gang.
  • Waldböden filtern das Trinkwasser wie es in Siedlungsgebieten oder auf landwirtschaftlichen Böden kaum möglich ist. Wälder sind die größten und effektivsten Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen und Wasserspeicher.
  • Wald beugt Hochwasser vor.
  • Wald schützt Menschen vor Immissionen, vor Lärm- und Geruchsbelästigung.
  • Wald produziert Sauerstoff und sorgt für einen Frischluftausgleich für menschliche Siedlungen.
  • Wald bindet Kohlendioxid und wirkt so dem Treibhaus-Effekt entgegen.
  • Wald schützt das Klima - vor Ort genauso wie das Weltklima!
  • Wald ist Erholungsraum für Menschen - und das auf viele verschiedene Weisen.
  • Wald ist Landschaft! Er prägt das Landschaftsbild wie keine andere Landnutzungsform positiv.

Multifunktionale Waldwirtschaft

Multifunktionale Waldwirtschaft bedeutet, alle vor Ort wichtigen Waldfunktionen bei der Waldpflege im Blick zu haben. Alle berechtigten Interessen am Wald und seinen Waldfunktionen sollen in einer integrierenden und naturnahen Waldbewirtschaftung Berücksichtigung finden. Sie bedeutet auch, dass es grundsätzlich keine Trennung zwischen reinen Wirtschaftswäldern und reinen Schutzwäldern gibt, wie dies in anderen Ländern häufig der Fall ist.

 

Konkurrierende Waldfunktionen

Manche Waldfunktionen lassen sich bei der Waldbewirtschaftung problemlos "unter einen Hut" bekommen. So stellen unterschiedlichen Schutzfunktionen selten verschiedene Anforderungen an die Bewirtschaftung.

 

Beispiele:

  • Die Nutzfunktion kann mit der Lebensraum-Funktion konkurrieren. Davon zeugen mancherorts (noch) Nadelholz-Reinbestände, die - ähnlich landwirtschaftlichen Monostrukturen - zugunsten einer leichten Bewirtschaftbarkeit keine große biologische Vielfalt zulassen. Lösen lässt sich dieser Konflikt im Beispiel durch natürlich verjüngte, strukturreiche Mischbestände aus am Standort von Natur aus vorkommenden Baumarten.
  • Erholungsfunktion: Der moderne Mensch sieht den Wald vor allem als Raum seiner Freizeitaktivitäten und seines Bedürfnisses zur Erholung im Wald. Infrastruktureinrichtungen wie Hütten, Freizeitanlagen, Wanderpfade oder Mountainbike-Strecken sind andererseits, aus der Sicht des Naturschutzes, immer auch als Quell der Störungen und als Lebenraumzerschneidung wild lebender Tiere anzusehen. Im Rahmen der Waldbewirtschaftung wird hier darauf geachtet, sensible Lebensräume nicht mit Erholungsinfrastruktur zu bedenken.
    In sehr erholungsintensiven (Stadtrand-)Bereichen anderseits wird der Wald - zulasten der holzwirtschaftlichen und der Naturschutz-Funktion - so bewirtschaftet, dass der Erlebniswert maximiert wird, etwa durch Park-artige Bewirtschaftung, durch Pflanzen attraktiver Bäume und Büsche oder durch urige urwald-ähnliche Strukturen.
Quelle: Dr. G. Strobel, Allgemeine Forstzeitschrift 24 / 1997
Quelle: Dr. G. Strobel, Allgemeine Forstzeitschrift 24 / 1997

Naturnahe Waldwirtschaft als Optimierungsprozeß zwischen dem „Laisser faire“ der Natur und den Interessen und Zwängen von Waldeigentümer und Gesellschaft

 

Sind die Waagschalen im Gleichgewicht, ist einerseits den natürlichen und sozialen Erfordernissen Genüge getan, die forstliche Eingriffe notwendig machen (Beispiele: Standort - Beseitigung standortswidrige Sukzession, Waldfunktion: parkartige Bewirtschaftung, Naturschutz: Eingriffe zur Erhaltung von seltenen Pflanzen, Gesetze: Nachbarschaftsrecht, usw.). Andererseits wird nicht mehr als unbedingt notwendig in die Waldentwicklung eingegriffen. Wird die Erfordernis dieser Optimierung nicht erkannt, ist die Waldbewirtschaftung entweder unökonomisch (Zeiger nach links) oder berechtigte Ansprüche von Waldbesitzer und Gesellschaft werden nicht genügend berücksichtigt (Zeiger nach rechts).

 

Informationsgrundlage Waldfunktionen

Informationsquelle für die örtlich wichtigen Waldfunktionen ist in Baden-Württemberg die Waldfunktionenkartierung. Sie gibt auf einer Karte diejenigen Waldfunktionen an, die zu berücksichtigen sind. Bei konkurrierenden Waldfunktionen werden die am konkreten Ort Wichtigsten herausgestellt.