Möbel für Generationen
Ein Besuch in der Schreinerei Selig in Sulzbach-Bartenbach
Für Liebhaber/innen schöner fantasievoller Möbel ist dieser SDW-Besuchsnachmittag in der Schreinerei Selig in Sulzbach-Bartenbach ganz sicher ein Gewinn.
Schreinermeister Lars Selig
Schreinermeister Lars Selig nimmt die zehn zur Besichtigung gekommenen "Holzwürmer" gleich unter seine Fittiche: "Wir folgen dem Weg des Holzes von der Anlieferung bis zum fertigen Möbelstück!"
Gesagt, getan, geht es zunächst über den Holzlagerplatz zum Sägewerk. Dies alte Gattersägewerk gehört zwar nicht zu seiner Schreinerei, aber von Eigentümer Rainer Schwarz kann es mitbenutzen. Der große Vorteil ist, dass man auch mal aus einem besonderen Einzelstamm schöne Bretter sägen kann und nicht alles zukaufen muss.
Am Gattersägewerk
Hier also werden aus dem Baustamm, wie er aus dem Wald angeliefert wird, Bretter gesägt: Die Sägeblätter des Gattersägewerks schwingen dabei auf und ab. Über einen Rollwagen wird der Stamm dann durch die Sägeblätter geführt. Produkt sind dann, je nach Abstand der Sägeblätter, dicke Bohlen oder schlankere Bretter.
Wer nun meint, nun könne der Schreiner gleich loslegen, wird überrascht: "Diese Bohlen und Bretter müssen zunächst einmal viele Jahre trocknen, bevor der Schreiner etwas damit anfangen kann." Denn sonst würden sich die Möbel rasch verziehen und krumm werden. "Wir rechnen ungefähr mit einem Jahr Trocknungszeit für jeden Zentimeter Dicke des Bretts. Da kommen gleich mal 4 bis 5 Jahre Trocknungszeit draußen zusammen." Wichtig ist, dass das Holz trocken und geschützt gelagert wird, denn es darf nicht zu rasch abtrocknen.
Die Steuerungseinheit der Trockenkammer
Aber selbst dann ist das Brett aber noch lange nicht bearbeitungsreif, denn im Freien trocknet das Holz je nach Luftfeuchte höchstens auf 12% Feuchtegehalt. Notwendig ist aber ein Trocknungsgad von 7 bis 10%.
Also muss noch nachgetrocknet werden. Dazu führt Selig die Gruppe zur Trocknungsanlage, ein "Konvektionstrockner" mit je einer Klappe für Zu- und Abluft, wie er erklärt. Die Holzfeuchte wird permanent über einen Stromwiderstandsmesser errechnet. Damit das Holz auch nicht zu rasch trocknet, was für die Qualität nachteilig wäre, wird auch schon mal automatisch Wasserdampf zugeführt. Die meisten Schreinereien kaufen wegen dieses Aufwands gleich fertig trockenes Holz. "Diese aufwändige Behandlung bei uns ist am Markt eher eine Seltenheit," so Selig.
Plattenverleimung
(oben: die hydraulischen Druckstössel)
Nun erst beginnt die eigentliche Schreinerarbeit, wozu sich die Teilnehmer in seine Werkstatt begeben. Mit einer so genannten Vielblatt-Kreissäge werden die Bretter in schmalere Leisten gesägt dann auf einer Vierseiten-Hobelmaschine glatt gehobelt und diese dann zu homogeneren Leimholzplatten verleimt. Die fertige Vollholzplatte wird dann durch eine Breitband-Schleifmasching geschickt. Erst dann ist Ausgangsmaterial für die Möbelherstellung fertig.
Bevor die Platte bearbeitet wird, wird das Möbelstück aber zuerst am Computer per CAD konzipiert und gezeichnet, damit alle erforderlichen Maße vorab bekannt und festgelegt sind. "Das müssen bei uns die Auszubildenden bereits im ersten Lehrjahr können."
Holzstaub"briketts"
Nun kommen Tischfräsen, Kantenschleifmaschinen, bei Küchenmöbeln auch Umleimer-Maschinen zum Einsatz. Der dabei anfallende Holzstaub wird zentral über eine große Absauganlage mit Rohren zu jeder Maschine abgesaugt. "Aber auch hier wird nichts verschwendet, denn wir sammeln den Schleifstaub und verpressen ihn gleich zu Briketts, die wir dann im Winter wieder für unsere Werkstattheizung verwenden."
Bevor das Möbelstück dann zu seiner ganzen Schönheit fertigmontiert wird, geht das Holz zuerst noch durch die Lackierung und zwar mit einem wasserlöslichen Einkomponentenlack. Im Unterschied zum Zweikomponentenlack brauchen wir hier keinen Überschuss wegwerfen. Vorbildliche und sparsame Kreislaufwirtschaft eben.
Lars Selig in seinem Element
Auch im Schreinergewerbe gilt: "Wer stehen bleibt, wird am Markt schnell zurückgeworfen." Deshalb investiert Schreinermeister Selig in Kürze in eine Dreiachs-CNC-Fräse, mit der viele aufwändige Arbeitsschritte präzise und rasch automatisiert werden können.
Auf die Frage, ob diese Automatisierung nicht Arbeitsplätze koste, holt er tief Luft: "Unser großes Problem ist, dass wir am Markt praktisch keine Fachkräfte mehr bekommen." Deshalb besteht das Team augenblicklich neben ihm selbst aus einem weiteren Schreinermeister, einer Bürokraft und 2 Auszubildenden. Natürlich hoffen wir, dass es den Azubis nach der Lehre so gut bei uns gefällt, dass wir auf diese "Eigengewächse" zählen können. Darüber hinaus hat Selig gerade zwei Schreinergesellen-Stellen ausgeschrieben und hofft, diese bald mit guten Mitarbeitenden besetzen zu können.
Ein Zirben-Bett für die Ewigkeit
Der Schlusspunkt dieses informativen Rundgangs ist natürlich der "Showroom" mit wirklich exklusiven Stücken aus der Hand des Meisters.
"Besonders gerne verwenden wir neben Eichen und Nußbaumholz das Holz der Zirbelkiefer, das wir direkt von einem Lieferanten in den Alpen beziehen." Dem Holz dieser nur in den höchsten Gebirgslagen vorkommenden Baumart wird nachgesagt, dass seine ätherischen Öle sich wohltuend auf Körper und Seele auswirken. "Deswegen verwenden wir dieses ganz besondere Holz am liebsten für Schlafzimmer - etwa für ein solitäres Prachtstück wie dieses."
Schreinerei | Lars Selig
Tel.: +49 719 377 14
Mail: [email protected]
Webseite: https://schreinerei-selig.de/
Bettenstudio und Werkstatt:
Andersenstrasse 15, 71560 Sulzbach-Bartenbach
Eine nette Anekdote zum Schluss
Da Lars Selig und sein Team - dem Zeitgeist folgend - auch in den sozialen Medien kreativ unterwegs sind, wurde ein Filmteam auf die Schreinerei in Sulzbach-Bartenbach aufmerksam.
"Die standen ziemlich kurzfristig und überraschend vor der Tür und arbeiteten dann dreieinhalb Tage lang in und um die Werkstatt. Und das für einen gerade mal 15 Minuten-Clip.
Uns hat's gefreut, denn so etwas passiert einem ja nicht alle Tage - und ein bissle Werbung können wir immer gut gebrauchen!"
