Trend zur rustikalen Eiche flaut langsam ab

Besichtigung des Wertholzlagerplatzes Eselshalde 2026

Waren die letzten beiden Jahrzehnte ganz von einem regelrechten "Eichen-Hype" gekennzeichnet, scheint die Nachfrage nach Eichenholz langsam abzuflachen. "Rustikale Eiche ist weniger gefragt als bisher", erklärt Frank Hofmann, Vorstand und Chef-Holzverkäufer der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald / Ostalb e.G..

Wertholz-Besichtigung 2026
Fotos: Dr. G. Strobel

So ist die von Hofmann so genannte "Schloss-Eiche", also die dicke, lange Eiche, aus denen Fußbodendielen für zahlungskräftige Kunden geschnitten werden, die letzten beiden Jahre nicht mehr gefragt. Indirekter Zeiger dieser abflauenden Nachfrage ist auch die diesmal mit 340 Festmetern relativ geringe Menge an Eichenholz. "Das waren früher auch schon mal bis zu 700 Festmeter", so Hofmann. Auch die französischen Einkäufer von "Faßholz", die den Markt in der Vergangenheit mancherorts fast leerkauften, blieben die letzten Jahre der Submission fern. Letzteres ist sicher auch dem stockenden Weinabsatz und deswegen weniger benötigte Fässer für den Barrique-Ausbau geschuldet.

"Braut" & Bräutigam
Stv. SDW-Vorsitzender Andreas Döz mit der teuersten Eiche

Dennoch gibt es auch bei dieser Submission freudige Überraschungen: Die "Braut", also der teuerste Stamm ist eine starke Eiche aus einem Privatwald im Forstrevier Leintal, die bei einem Stammvolumen von 5,53 Festmetern mit 1.680 Euro je Festmeter beboten wurde, womit sie beinahe die 10.000 Euro-Marke geschafft hätte. Anekdote am Rande: Forstrevierleiter Friedemann Friz riet dem Waldbesitzer, diese Eiche rasch zu fällen, da er sie für bald "abgängig" hielt.

Die Sensation ist nicht lediglich ihr guter Erlös, sondern deren Herkunft. Der Schwäbische Wald, von Natur aus eigentlich ein Tannen-Buchen-Wald ist bisher nicht für Spitzen-Eichenstämme bekannt. Das liegt daran, dass die Käufer insbesondere bei der Eichen einen gleichmäßigen Holzaufbau mit schmalen Jahrringen schätzen, die sich gut zu edlen Furnieren schneiden lassen. Diese wachsen aber auf armen, nährstoffarmen und eher trockenen Standorten. Im Schwäbischen Wald mit seinen mitunter über 1.000 Millimeter Jahresniederschlag wächst die Eiche aber eher breitringig - so auch die "Braut" dieses Jahres, die Zeit ihres Lebens ordentlich "Speck", sprich: Jahrringbreiten, zugelegt hatte.

Frank Hofmann hat als erfahrener Holzverkäufer eine Vermutung: "Im Unterschied zum Nadelholz ist das Frühholz (das Holz, das im Frühjahr und Frühsommer gebildet wird) bei der Eiche mit breiten Jahrringen härter. Offenbar hat die Verarbeitungstechnik [Anm.: Messertechnik bei der Furnierherstellung] hier mitgezogen, sodass breite harte Jahrringe bei der Eiche kein Verarbeitungsproblem mehr darstellen."

Gute Preise für starke Stämme

Neben dem Spitzenstamm haben auch andere Eichen gute Preise erzielt. Nach hergebrachter Holzsortierung hätten die beiden Stämme 3000 und 3001 als C-Ware gegolten, für die bei freihändigem Verkauf maximal 200 Euro erwartbar gewesen wären. Dem Höchstbietenden bei der Submission waren diese Stämme hingegen doppelt so viel, 400 Euro je Festmeter, wert.

Gut hinschauen:
Eichen-Kernkäfer-Befall

Ähnlich wie im vergangenen Jahr warnt der Vorstand der Holzvermarktungsgemeinschaft jedoch vor Befall mit dem Eichen-Kernkäfer. Seine Bohrlöcher messen gerade einmal einen Millimeter, sodass man ganz genau hinschauen muss. Denn mit Kernkäferbefall sei das Eichenholz schlicht unverkäuflich, egal wie gut der Stamm im Übrigen sei.

Übersieht der Waldbesitzer den Kernkäferbefall, so fressen die Beifuhrkosten von momentan 50 Euro je Festmeter jeglichen erhofften Gewinn wieder auf, zumal bei Laubwertholz höhere Aufwendungen für die Unterlage (damit der Stamm von allen Seiten zu begutachten ist) einkalkuliert werden müssen. "Bei starken Eichen guter Qualität lohnt sich die Teilnahme an der Submission aber in den meisten Fällen."

Insgesamt betrachtet, stützt sich der Wertholzverkauf in diesem Jahr auf die Eiche und die Esche, wobei die Eschenerlöse um die 20 - 30 Euro je Festmeter etwa geringer ausfielen als im vergangenen Jahr. Frank Hofmann warnt: "Bei Eschen-Bastkäferbefall, der das Eschenholz selbst eigentlich gar nicht tangiert, ist ein Export, etwa nach China, wegen der dortigen Einfuhrbestimmungen ausgeschlossen."

Frank Hofmann in der Fachdiskussion

Andere Baumarten neben Eichen und Esche waren kaum bis gar nicht nachgefragt. Eine starke Roßkastanie, ein Exot auf dem Holzmarkt, die zum Beispiel für Drechsler interessant hätte sein können, blieb unbeboten. Bergahorne waren überhaupt nicht im Angebot und für rote Hölzer Kirsche oder Erle gibt es seit Jahren keinen Markt.

Schade ist, dass etliche am Platz liegende Roteichen nicht auf Interesse der Käufer stossen. Zwar eigneten sie sich nicht als Faßeichen, da sie nicht dicht sind, aber ansonsten sei das Roteichenholz nicht minderwertig, meint Hofmann. Er jedenfalls habe sich eine schöne Treppe aus dem preisgünstigen, schönen Roteichenholz schreinern lassen.

Vielleicht ist das ja der Geheimtipp, den sich die Teilnehmer/innen mit nach Hause nehmen können!

Hintergrund-Informationen

Jedes Jahr zu Ende der Holzeinschlagssaison Ende Winter werden durch ForstBW in Kooperation mit der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald | Ostalb e.G. bei der so genannten "Göppinger Submission", an der die Landkreise Göppingen, Esslingen und seit 2006 der Rems-Murr-Kreis teilnehmen, die wertvollsten Eichen-/ Buntlaub- und Nadel-Werthölzer aus Staats-, Gemeinde- und Privatwäldern verkauft.

Dazu werden die Wertholzstämme aus der ganzen Region auf zwei Plätzen in Oberberken und Urbach einer großen Kundschaft aus dem In- und Ausland präsentiert. Beim Eröffnungstermin wird der Zuschlag für einen Stamm oder ein Los an den Meistbietenden verkauft.

Submission

Eine Wertholz-Submission ist eine öffentliche Aufforderung an interessierte Käufer, schriftlich Angebote für die auf dem zentralen Wertholzplatz Urbach präsentierten Stämme abzugeben. Im Unterschied zur offenen und öffentlichen Angebotsabgabe (Versteigerung) werden bei der Submission für ein "Los" (ein oder mehrere Stämme)  von interessierten Holzeinkäufern schriftlich Gebote eingereicht, die dann zu einem bestimmten Stichtag gleichzeitig geöffnet werden (Eröffnungstermin). Der Bieter mit dem höchsten Gebot bekommt den Zuschlag.

Baumarten

Eine Übersicht über viele heimische Baumarten und ihre Eigenschaften finden sie im Kapitel Waldbäume.

Holzsortierung

Nach dem Holzeinschlag im Wald und vor dem Holzverkauf "sortiert" der Waldbesitzer oder Förster die Stämme nach Holzart, Länge, Stammdurchmesser und objektiver Holzqualität . Dies ist vor allem bei Massen-Sortimenten für den Holzkäufer eine wichtige Information , ob das Produkt für ihn von Interesse ist.

Bei Werthölzern hingegen hängt der individuelle Wert des Holzes davon ab, was der Käufer daraus anfertigen möchte.

Festmeter / Raummeter

Im forstlichen Sprachgebrauch wird ein Kubikmeter Holz als "Festmeter" bezeichnet (im Waldbestand: Vorratsfestmeter (mit Rinde) und verkaufsfertig eingeschlagen: Erntefestmeter ohne Rinde und Holzernteverlust. Der Umrechnungsfaktor variiert mit der Baumart und iher Rindendicke)

Im Unterschied dazu wird als Raummeter ein Kubikmeter geschichtetes (meist Brenn-)Holz einschließlich der Zwischenräume bezeichnet. Ein Raummeter entspricht 0,7 Festmetern.

Güteklassen

In Baden-Württemberg wird Stammholz in die Güteklassen A, B, C, und D eingeteilt, wobei A-Holz die Spitzenqualität ist. Ist das Holz darüberhinaus als Furnier tauglich, wird es als F (Furnier) oder TF (Teilfurnier) bezeichnet. Furniere werden zum Beispiel im Möbelbau verwendet. Aus Spitzenstämmen werden über Schäl- oder Messertechnik dünne Furniere geschnitten, die dann auf andere hölzerne Unterlagen geleimt werden, um diese zu veredeln.