Nachhaltigkeit

Was bedeutet sie heute für uns?

Nachhaltigkeit ist ein Prinzip, das in der Forst­wirtschaft erfunden - oder vielmehr "ge"funden wurde.

 

Denn Nach­haltigkeit ist ein universell gültiges Natur­prinzip, das wir beachten müssen, wollen wir unseren wunderschönen "blauen Planeten" nicht dereinst als "wüsten Klumpen" im Weltall zurücklassen.



Ressourcen

Was wollen wir für die Zukunft: eine "grüne Welt" oder eine Wüste?
Was wollen wir für die Zukunft: eine "grüne Welt" oder eine Wüste?

Unsere Ressourcen sind ebenso vielfältig wie endlich!

 

Zu den wichtigsten Ressourcen gehören die, die die griechische Naturphilosophen "die vier Elemente" genannt hatten: 

  1. Luft (Lebenskreislauf von Sauerstoff und Kohlendioxid),
  2. Wasser (wesentlicher Bestandtteil der meisten Organismen der Erde ),
  3. Boden (Pflanzenstandort und Ernährungsgrundlage) und
  4. Feuer (im übertragenen Sinne (Sonnen-)Energie als Motor des Pflanzenwachstums: Licht und Wärme).

Mehr oder weniger direkt abhängig von diesen vier sind alle lebendigen Ressourcen - die Pflanzen- und Tierwelt, die Pilze und Mikroorganismen zu Land, im Wasser und in der Luft.

Bei diesen Natur-Ressourcen ist uns die Bedeutung einer Kreislaufnutzung unschwer nachvollziehbar, wenngleich wir deren Schutz täglich zuwiderhandeln. Wir "ver"brauchen, also vernichten viele dieser Ressourcen, anstatt auf eine nachhaltige "Leihe" derselben von der Natur zu achten:

  • Bodenschätze werden verbraucht und - man achte auf die gebräuchliche Wortwahl - "ausgebeutet". Im Wort steckt bereits die Erkenntnis, dass hier ein unwiderruflicher Prozess stattfindet. Doch wissen wir, wozu wir das eine oder andere Gestein, Mineral oder Metall, Erdöl oder Erdgas in ferner Zukunft vielleicht dringend benötigen werden?
  • Naturnahe Flächen wie Wald und landwirtschaftliche genutztes Offenland werden für Siedlungen, Industrie und Verkehrswege zerschnitten und "verbraucht".

Statt nachhaltig mit diesen Ressourcen umzugehen,  wirtschaften wir, als seien wir die letzte Menschengeneration.

 

Regulative

Über­nutzung "reguliert" die Natur gewöhn­lich auf ein­fache Weise:

 

Ein durch Über­nutzung knap­pes Nah­rungs­ange­bot führt zu Hunger,  in der Folge zu Ver­tei­lungs­kämpfen,  Seu­chen und erhöhter Sterb­lichkeit - bis das Gleich­gewicht zwischen Nutzer und Res­source wieder her­ge­stellt ist.

 

Der Mensch konnte seinen "Evolutions­vorsprung Intelli­genz" bisher immer so aus­nutzen, dass er dieser Ver­knap­pung ent­ging. Dass es noch in diesem Jahr­hundert 10 Milli­arden Men­schen auf der Welt geben wird, zeugt von dieser An­pas­sungs­fähig­keit.

 

Soll es ihm aber nicht so gehen wie beim oft zitierten Bild der Lem­minge, die sich über eine Klippe in den Tod stürzen, muss der Mensch selbst regu­lativ ein­wirken, und zwar rechtzeitig bevor alle Ressourcen aufgebraucht sind. Denn Hungersnöte und Kriege sind keine wirklich attrak­tiven Alter­nativen für die Mensch­heit.


Kreisläufe

Nachhaltigkeit bedeutet "Denken und Handeln in geschlossenen Kreisläufen":  Alles, was wir der Natur entnehmen, müssen wir ihr entweder in gleicher Qualität wieder zurückgeben, oder vorher selbst zu 100% wiederverwenden.

Heute ist das Denken in vollständigen Kreis­läufen leider noch weitgehend Utopie, obwohl es uns die Natur und die heute noch existierenden "Naturvölker" es uns vormachen.  Davon, diese Utopie zur Vision werden zu lassen und so rasch als möglich umzusetzen, wird nicht mehr und nicht weniger als das Überleben der Spezies Mensch abhängen.

 

Auch wenn vollkommen geschlossene Kreisläufe heute noch Utopie sind, so gibt es für den Weg dorthin Voraus­setzungen:


1) Konsum: Vom Verbrauch zum Gebrauch - Konzentration auf das Notwendige


Was braucht der Mensch zum Leben? Zweifellos Nahrung, Gesundheit und Schutz.

 

Durch die jahrhundertelange Ausbeutung von Natur und Bodenschätzen und damit der "Erfindung  und Anhäufung von Reichtum" glaubt er jedoch, sich weit über seine Grundbedürfnisse hinaus "Luxus" leisten zu können. Dabei ist "Luxus" nichts anderes als eine Umschreibung von Verbrauch, ja Verschwendung, also einem nicht nachhaltigem Lebensstil.

Deshalb muss sich der Mensch die Frage gefallen lassen, ob er diesen Luxus wirklich für sein Lebensglück braucht - also ob etwa jährliche Urlaubsreisen um die ganze Welt, der ständige Austausch von Konsumgütern vor ihrer optimalen Nutzungsdauer (Modebekleidung, Elektronik, Autos, u.v.m.)  wirklich notwendig sind, nur weil der Markt bereits schon neuere, scheinbar "schickere" Konsumgüter anbietet.

 

Leitbild muss werden, Dinge auf lange Lebensdauer, Aktualisierbarkeit und Reparierbarkeit hin zu entwickeln.  Es muss jeder und jedem klar werden, dass es überhaupt keinen "Abfall",  keinen Zivilisationsmüll,  mehr geben darf, da er einerseits wertvolle Ressourcen ungenutzt bindet und andererseits der Umwelt massiv schadet (Mikroplastik in Bio-Kreisläufen, Plastikmüllberge in Weltmeeren):

  • Cradle-to-Cradle  ("C2C")
    Cradle to Cradle  , aus dem Englischen  „von  Wiege zu Wiege“, sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“, ist ein Denk-Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Die C2C-Philosophie wurde Ende der 1990er-Jahre von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough entworfen. „Cradle-to-Cradle"-Produkte werden so entworfen und gebaut, dass sie nach Ende ihrer Nutzungsdauer einer Folgenutzung in gleicher Qualität und Menge zur Verfügung stehen - die Vision eines idealen technischen Kreislaufs, analog zu den biologischen Kreisläufen der Natur.
    Im Unterschied zum Cradle-to-Cradle-Prinzip wird ein Produkt  "von der Wiege zur Bahre" nach seiner Nutzungsdauer idealerweise zwar recycled (beim Holz unter Umständen sogar mehrfach), verliert aber von Nutzung zu Nutzung an Gebrauchswert bis es am Ende dann "entsorgt" wird oder bestenfalls noch energetisch genutzt (verbrannt) wird.
    Gegenteil der Cradle-to-Cradle-Philosophie ist es, ein Gut nur für einmaligen und / oder kurzen Gebrauch zu bauen (Beispiel: nicht recycle-bare Kunststoffverpackung)

2) Brutto-Prinzip

Jeglicher Konsum ist mit seinem wahren Wert anzusetzen (also auch mit allen externen Kostenfür die Behebung von Nachteilen und Schäden, die durch den Konsum entstehen) .

Beispiele:

  • Der "Wert" einer Flugreise ist nicht lediglich der des durch die Gesellschaft subventionierten Dumpingpreises am Markt, sondern er ist zu ergänzen durch alle Kosten, die notwendig sind, um den gedachten Ursprungszustand vor dem Flug wiederherzustellen (Anteilige Ausgleichsmaßnahmen für den Kohlenstoff-Fußabdruck: Treibstoff, Material- und Energieverbrauch für den Bau von Flugzeugen und Flughäfen, Zulieferverkehr etc.).

  • Bei der "Nutzung einer Fläche", etwa für eine Straße oder ein Gewerbe- oder Wohngebiet muss  der unwiederbringliche "Verbrauch" der Fläche hinzugerechnet werden, die alternativ einem natürlichen Ökosystem zur Verfügung stünde oder dem Menschen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln hätten dienen können.

3) Verursacher-Prinzip

Wenn ein Gut oder eine Leistung "zu billig" angeboten wird, weil ein Teil der bei der Produktion des Guts entstehenden Kosten "sozialisiert", also der Allgemeinheit aufgebürdet werden, die Gewinne hingegen  "privatisiert" werden, also in die eigene Tasche fließen, so ist ein solches Verhalten alles andere als nachhaltig.

Entsprechend dem Brutto-Prinzip (siehe oben)  sind sämtliche Kosten seines Verhaltens dem Verursacher anzulasten und in Rechnung zu stellen.

Beispiel:

  • Bereich "Mobilität":  Wenn ein Verkehrsteilnehmer die Kosten seines Fortbewegungsmittels (CO2-Ausstoß, Kosten für gesundheitliche Beeinträchtigung anderer Menschen durch Feinstaub, etwa durch Reifen- und Bremsabrieb u.a.m. )  vollständig selbst begleicht, bezahlt er ihren wahren Preis. Dieser spiegelt die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit des Verkehrsmittels wider (Flugverkehr, Individualverkehr, Bus- und Bahnreisen, Fahrrad, Fußverkehr).

4) Gesamtkonzept

Lösungen sind nur dann echte Lösungen, wenn sie nicht nur ein Einzelproblem abstellen, sondern stets alle Auswirkungen eines Lösungsansatzes im Auge behalten und gesamthaft diejenige Lösung anstreben, die allen vorgenannten Prinzipien gerecht wird.

Eine Lösung ist eine Entscheidung,
die den Konflikt in dieser Sache
für die Zukunft ausschließt.

Gerhard Strobel


  • Negatives Beispiel für ein konzeptionsloses "Laissez-faire" im Straßenverkehr: der Verkehrsstau: Gas geben, bremsen, Gas geben, bremsen führt zu unnötiger Vernichtung der Ressource Energie ...
    Ein Verkehrskonzept, das darauf abzielt, die notwendigen Transporte flüssig und mit möglichst geringem Ressourcenverbrauch zu bewerkstelligen würde unterm Strich alle rascher und stressfreier ans Ziel kommen lassen, würde Verkehrschaos, Staus, Unfälle, Treibstoffverbrauch, Gas- und Feinstaub-Emissionen vermeiden helfen.
  • Ein konstruktiver Denkansatz zu diesem Problem ist ein Verkehrskonzept CarTube der britischen Firma PLP Architecture.

Im Hinblick auf wirklich nachhaltiges Handeln muss der Mensch (jede/r,  zuvorderst jedoch Entscheidungsträger, Politiker und letztlich der Gesetzgeber ) ihr Augenmerk darauf richten, bei allen Entscheidungen sämtliche Folgen dieser Entscheidung zu beachten und negative Auswirkungen zu minimieren, bestenfalls ganz zu vermeiden.

 

Leider scheint es aber bisher so, dass Lobbyismus (die einseitige Einflussnahme oder Berücksichtigung einflussreicher Interessen- oder Wählergruppen) , das "Denken in (kurzen)  Wahlperioden", die "Macht des Geldes" - also "kurzfristiger Eigennutz vor langfristigem Gemeinnutzen", eine zukunftsorientierte und ernsthaft Nachhaltigkeit anstrebende Politik verhindert haben.


5) Fazit

Unser aller Überleben in Zeiten bedrohlicher Menschheitsprobleme (Klimawandel,  Ressourcenverbrauch und -verschwendung, Vermüllung und Verschmutzung, ungebremstes Erdbevölkerungswachstum und in der Folge globale Migration) wird davon abhängen ob der Mensch die Evolution vom "homo sapiens", dem wissenden Menschen, hin zum "vernünftigen Menschen" in kurzer Zeit vollziehen kann.

Dieser muss sein ganzes Wissen und seinen Einfallsreichtum dazu nutzen, die Verhaltenswende zum nachhaltigen Leben im eigentlichen Sinne des Wortes zu schaffen.