Waldfunktionen

 

 Weil Wälder so vielfältig sein können,
sind profunde Kennt­nisse  notwendig,
um den Wald natur­nah und vielfältig
und nach­haltig zu bewirt­schaften.

Der Wald als Lebensraum


Wald ist der natürlichste Lebensraum, das vielfältigste Land-Ökosystem überhaupt und das Gen-Reservoir schlechthin.

 Lebensraum Totholz [© Foto: Dr. G. Strobel]
Lebensraum Totholz [© Foto: Dr. G. Strobel]

Seine wichtigste Funktion ist die als vielschichtiges Ökosystem, als Lebens­raum von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Milliarden von Mikro­organismen. Der Wald schützt seine Bewohner, die auf ihn als Lebensraum zwingend angewiesen sind, indem er ihnen Nahrung, Wohnung und Schutz bietet.

Dabei ist Wald nicht gleich Wald.  Jede der unzählig vielen Wald­arten und -zusammen­setzungen bietet jeweils anderen daran angepassten Lebens­formen ideale Lebens­bedingungen.


Lebensraum Waldrand im Herbst [© Foto: Dr. G. Strobel]
Lebensraum Waldrand im Herbst [© Foto: Dr. G. Strobel]

Keine andere Land­nutzungs­form ist so viel­fältig und bietet so vielen Lebe­wesen Rück­zugs­raum, Nahr­ung und Unter­schlupf wie der Wald.

Waldränder als Kontakt- und Übergangszonen zwischen Wald und Offenland sind geprägt durch kleinflächig wechselnde Temperatur, Feuchte, Licht und Bodeneigenschaften. So entstehen besonders vielseitige Lebensräume für Flora und Fauna .

Bodenschutz


Bodenaufbau (von oben) Humus-Auflage, A-Horizont (humoser Oberboden), B-Horizont (lehmhaltiger brauner Boden), C-Horizont (angewittertes Ausgangsgestein)[© Foto: Dr. G. Strobel]
Bodenaufbau (von oben) Humus-Auflage, A-Horizont (humoser Oberboden), B-Horizont (lehmhaltiger brauner Boden), C-Horizont (angewittertes Ausgangsgestein)[© Foto: Dr. G. Strobel]

Wald ist ein natürlicher Schutz vor Wasser- und Winderosion und fördert den Nährstoffkreislauf.

 

Waldboden bewahrt die Landschaft vor Bodenabtrag (Erosion) durch rasch abfließendes Oberflächenwasser. Er bindet das Wasser in den Boden-Hohlräumen wie ein Schwamm und gibt es zeitlich verzögert wieder ab.

 

Auch die Gefahr von Bodenrutschungen kann der Wald verhindern, da das weitverzweigte Wurzelnetz der Bäume dem Boden Halt gibt. Diese Funktion ist umso wichtiger, je steiler der Standort ist. Im Hochgebirge sind intakte Nadelmischwälder der wirksamste Schutz vor Geröllerosion (Muren) und Schneelawinen.

 

Die Bodenschutzfähigkeit hängt von der Zusammensetzung und Struktur des Waldes ab. Ideale Eigenschaften haben stufig aufgebaute, stabile Mischwälder, da diese Wasser nicht nur bereits im Kronenraum durch die hohe Oberfläche teilweise verdunsten, sondern durch ihre unterschiedlichen Wurzelsysteme den Boden intensiver zu durchwurzeln vermögen als ein einschichtiger Wald (beispielsweise aus flachwurzelnden Fichten). Wesentlich für die Bodenschutzfunktion ist, dass die aufstockenden Baumarten "standortsgerecht" sind; das bedeutet von Natur aus an diesen Waldstandort angepasst sind.

 

Naturnahe vielfältige Mischbestände schützen Böden auch vor Versauerung, etwa durch Luftschadstoffe ("saurer Regen").  Durch ihre intensive Bodendurchwurzelung sorgen sie dafür, dass im Unterboden / im verwitternden Gestein gespeicherten Nährstoffe in den Boden- und Nährstoffkreislauf gelangen können. Gesunde Mischbestände haben ein vielseitiges, intaktes Bodenleben (Mikrofauna, Mikroflora, Mykorrhiza), das dazu beiträgt, den Waldboden in einem Gleichgewicht zu halten. Deshalb ist Waldboden das naturnächste Boden-Ökosystem überhaupt.

 

Weitere Infos auf unserer Webseite  Natur-Ressource Boden


Wasserschutz


Reines Wasser aus dem Wald [© Foto: Dr. G. Strobel]
Reines Wasser aus dem Wald [© Foto: Dr. G. Strobel]

Wald ist ein natürlicher Wasserfilter und Wasserspeicher.

 

Niederschläge fließen im Wald nicht einfach als Oberflächenwasser ab und führen zu Bodenabtrag, sondern sickern fast vollständig in den Boden ein. Mit Hilfe des Humus, durchsetzt von Wurzelkanälen und Tiergängen, kann der Waldboden auch große Wassermengen, etwa nach Dauerregen und Schmelzwasser-Perioden aufnehmen und deshalb wirksam vor Hochwasser schützen. Wälder können Wasser lange speichern, sodass das Grundwasser und Quellen gespeist werden und Bäche und Flüsse auch während längerer Trockenperioden nicht austrocknen.

 

Gleichzeitig ist Waldboden ein hervorragender mechanisch-chemisch-biologischer Wasserfilter. Er reinigt das Sickerwasser auf dem Weg zur Quelle. Im Wald versickertes und durch den Boden gefiltertes Wasser ist sauerstoffreich, sauber und als Trinkwasser hervorragend geeignet.

 

Die Trink- bzw. Grundwasseranreicherung ist unter Laubwäldern höher als unter Nadelwäldern. Durch die stärkere Verdunstung bei Fichtenmonokulturen im Kronen- und Bodenbereich versickern bei einem jährlichen Niederschlag von 920mm nur 305mm oder 33% des Regenwassers im Boden. 34% oder 312mm verdunsten und 33% bzw. 303mm verbrauchen die Baum- und Krautschicht.

Bei einem Buchenbestand ist die Grundwasserneubildung sehr viel höher. Bei ebenfalls 920mm Jahresniederschlag fließen 47% bzw. 430mm ins Grundwasser ab, nur 18% bzw. 166mm verdunsten und 35% bzw. 324mm verbrauchen die Baum- und Krautschicht. Buchenwälder sind somit “Trinkwasserwälder”. (Quelle: Deutscher Forstwirtschaftsrat)


Klima-, Sicht-, Lärm und Immissionsschutz


Wald ist die beste und eine natürliche Klimaanlage.

  1. Wald beschattet mit den Baumkronen, aber auch mit seinen Sträuchern und den Bodenpflanzen, Moosen und Pilzen den Waldboden. Dadurch wird eine Austrockung des  Bodens verringert.
  2. Der  Wald verdunstet große Mengen von Wasser. Durch die dabei ent­stehende Verdunstung­kälte wird das Wald­innere gekühlt. Besonders ein­drück­lich ist dieses Wald­klima an heißen Sommer­tagen erlebbar, wenn es im (Laub­misch-)­ Wald angenehm frisch ist. Das Waldinnenklima gleicht also tägliche und jährliche Temperaturschwankungen aus, erhöht die Luftfeuchtigkeit und steigert die Taubildung.
  3. Der Wald ist eine natürliche Wind- und Sturmbremse. Er nimmt die Windenergie durch die Bäume federnd auf und bremst sie ab. Das Waldinnenklima ist dadurch windstiller.
  4. Im Winter wirken sich die Luftruhe und die geringere Wärmeabstrahlung (etwa in Frostnächten) im Vergleich zum Offenland mildernd klima-mildernd aus.
  5. Wald wirkt dadurch zu allen Jahreszeiten klimastabilisierend und ausgleichend.

In Zeiten jährlich zunehmender Klimaerhitzung kommt der Schutzfunktion des Waldes für das lokale Klimas und - in Summe aller Wälder des Weltklimas - eine herausragende Bedeutung zu, die zunehmend alle Nutzfunktionen  übersteigt.

 

Lokal-regionaler Klimaschutz

Gegenüber dem Freiland können Temperatur-Unterschiede von 3° bis 6°C  und 4° bis 8°C gegenüber Städten eintreten.
Diese Temperaturunterschiede zwischen Wald und Stadt ermöglichen einen Luftaustausch. An heißen Sommertagen entstehen dadurch am Abend kühle Luftströmungen in die Städte (berühmt ist zum Beispiel der so genannte "Höllentäler", der aus dem Schwarzwald durch das Dreisamtal nach Freiburg strömt), sofern die sogenannten "Kaltluftschneisen" städtebaulich dafür frei gehalten wurden. Da die Blattorgane gleichzeitig Staub, Ruß und gasförmige Verunreinigungen aus der Luft heraufiltern, kann kühle, gereinigte Luft in die besiedelten Gebiete fließen.

 

[Stichwort "Frischluftschneise": Kühle / kalte Luft ist schwerer als warme Luft und hat ähnliche Eigenschaften wie eine Flüssigkeit. Sie kann von bewaldten Bergen in die besiedelten Täler fließen, sofern sie Raum dazu hat. Wird der Luftzustrom durch Bebauungen verhindert, staut sich die Luft in regelrechten "Luftseen" und kann nicht zur Kühlung der Innenstädte betragen.]


Wald ist ein natürlicher Sichtschutz.

Der Wohlfühlfaktor für den Menschen ist ungleich höher beim Blick auf Wald als beispielsweise auf ein Industrie­gebiet. Der Blick auf den Wald vermittelt dem Menschen Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit.

Wald ist ein natürlicher Lärmschutz.

Wald schützt vor Lärm, indem er ihn abpuffert.
Eindrücklich ist dies etwa in Autobahnnähe erlebbar, wenn zwischen vom Wald geschützter und ungeschützter Wohnbebauung verglichen wird.

 

Wald ist ein natürlicher Schadstofffilter.

Er filtert Treibhausgase wie Kohlendioxid oder gesundheitsschädliche Gase, ebenso (Fein-)Staub und Aeorosole aus der Luft. Ein hundertjähriger Baum kann beispielsweise eine Tonne Staub pro Jahr binden.

 

Wald ist eine natürliche Kohlenstoff-Senke

Wald ist ein bedeutender Kohlenstoff-Speicher (CO2). Holz besteht etwa zur Hälfte aus Kohlenstoff. Diesen holen sich die Bäume durch Photosynthese aus der Luft. Beim Wachsen eines Kilogramms Holz werden der Atmosphäre etwa zwei Kilogramm CO2 entzogen. Im Laufe ihres Lebens kann beispielsweise eine 100-jährige Fichte bis zu 1,8 Tonnen Kohlendioxid aus der Luft holen. In Deutschlands Wäldern sind rund 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in der ober- und unter-irdischen Biomasse gebunden.