Waldgeschichte in Mitteleuropa

Der Mensch nutzte den Wald stets entsprechend seinen momentanen Ansprüchen. Die sind naturgemäß heute zum Teil völlig andere als vor hundert Jahren und davor. Erfüllt der Wald in der modernen Gesellschaft eine große Fülle von Aufgaben (siehe Waldfunktionen), so war der Wald im Altertum bis ins Mittelalter vor allem Holz- und Energielieferant sowie Nahrungsgrundlage (Wild, Waldfrüchte, Waldweide).

 

Damit alte Waldnutzungsformen nicht in Vergessenheit geraten, werden sie auf dieser Seite vorgestellt:



Köhlerei

Jahrtausendelang war Holz praktisch die einzige Energiequelle zum Heizen, Kochen oder zum Schmelzen von Metall (Schmiedearbeiten).

Köhlerwoche auf dem Schautenhof 2019 (© Foto: Dr. G. Strobel)
Köhlerwoche auf dem Schautenhof 2019 (© Foto: Dr. G. Strobel)

Mit beginnender Industrialisierung wurde Holz darüber hinaus als Energiequelle für die Gewinnung von Salz, das Schmelzen von Glas oder die Eisenverhüttung benötigt. Für einen langen Transport zu den Industrieanlagen standen für den schweren Rohstoff Holz zunächst wenige geeigneten Möglichkeiten zur Verfügung. So wurde Holz auf dem Wasserweg geflösst oder zu Holzkohle verkohlt. Mit der Holzverkohlung verminderte sich das Transportgewicht bei fast unverändertem Heizwert auf einen Bruchteil.

 

2012 hat sich der Köhlerverein Schwäbischer Wald e.V.  gegründet, um die Kenntnisse der Köhlerei aufzufrischen und weiterzugeben. Beispielhaft wird auf die Aktionen "Köhlerwoche" im Jahr 2017 und 2019 verwiesen. Hier sind vertiefende Informationen zur Holzköhlerei hinterlegt.

 


Flößerei

Kurzholz-Flösserei (hier Foto aus der Sächsischen Schweiz, Foto: Thomas)
Kurzholz-Flösserei (hier Foto aus der Sächsischen Schweiz, Foto: Thomas)

Flößerei und Trift (von „treiben“ im Sinne von „treiben lassen“) beschreiben den Transport von schwimmenden Baumstämmen, Scheitholz oder Schnittholz auf Wasserstraßen, wie er bis etwa zum Beginn, gelegentlich auch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts üblich war.

 

Wurde im Schwarzwald Langholz über Riesen (Holzrutschen) die Hänge herunter gerutscht, auf den Rheinzuflässen zu Flößen zusammengebunden und schließlich auf dem Rhein nach Holland für Städte- und Schiffsbau geflößt (Wolfacher Kinzigflößer), so spielte im Schwäbischen Wald wegen der kurzen und kleinen Neckarzuflüsse vor allem das Kurzholzflössen eine Rolle.

 

So wurde zum Beispiel der Ebnisee im Jahr 1735 für die Flößerei künstlich angelegt. Damals sorgte der steigende Brennholzbedarf der Städte Stuttgart und Ludwigsburg für eine wichtige Einnahmequelle. Auf einem 22 Kilometer langen Flussweg transportierte man das Holz talwärts in Richtung Neckar.

 

Die Kurzholzflößerei funktionierte so, dass man an geeigneter Stelle einen Bach anstaute und das Kurzholz vor den Damm beförderte - zum Beispiel im Winter über den "Schlittenweg" von Nestelberg am Kocher zum Ebnisee.

Öffnete man den Damm, so wurde das Holz in dem entstehenden Wasserschwall mitgerissen und zu Tal befördert.

Am Bachunterlauf wurde das Kurzholz später wieder aus dem Wasser geholt und zum Zielort transportiert.

Im Jahr 1861 wurde die Flößerei am Ebnisee eingestellt.

 

Literatur / Kontakt


Waldglas-Herstellung

Als Waldglas bezeichnet man durch Eisenoxide grünlich gefärbtes Pottascheglas, welches vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit (etwa 12. bis 17. Jahrhundert) nördlich der Alpen in Waldglashütten hergestellt wurde. Waldglas benennt auch die entsprechende Epoche der Glasgeschichte. Die Waldglasherstellung fand mit dem Ansteigen der Holzpreise, bedingt durch den Rückgang an Waldflächen und damit einem Mangel an Brennmaterial, im 19. Jahrhundert ihr Ende.

 

Rohstoff der Waldglasherstellung im Schwäbischen Wald war Quarzsand aus den Sandsteinen des mittleren Keupers.

Als Schmelzmittel diente aus Pflanzenasche gewonnenes Kaliumcarbonat („Pottasche“).

 

(siehe auch:  www.waldglas.com:  Geschichte der Glashütten im Schwäbischen Wald)