Waldzustand in Baden-Württemberg
Waldzustandsbericht 2025
Waldzustandsbericht 2024
Baden-Württemberg
(©Broschüre: FVA)
Zusammengefasste Ergebnisse
des Waldzustandsbericht 2025
Allgemeine Erhebungsdaten zum Waldaufbau und Zuwachs finden Sie auf der Seite Waldinventur.
Über alle Baumarten hinweg zeigt sich eine mittlere Kronenverlichtung von 26,4 Prozent. Damit hat sich der Kronenzustand unserer Waldbäume um 1,6 Prozent verbessert. Ein Blick auf die häufigsten Baumarten Baden-Württembergs zeigt jedoch große Unterschiede.
Eine deutliche Verbesserung der Laubverluste zeigt die Buche. Der mittlere Blattverlust unseres häufigsten Laubbaums hat sich um 4,1 Prozent auf 27,7 Prozent verbessert. Damit liegt der Laubverlust wieder auf dem Niveau der Jahre vor 2018. Die Buchen konnten sich in den letzten Jahren durch die günstige Witterung erholen.
Ähnlich positiv sieht es bei den Trauben- und Stieleichen aus. Hier haben die Expertinnen und Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg eine Verbesserung um 2,7 Prozent auf 27,3 Prozent festgestellt. Ausschlaggebend für die Verbesserung ist der geringe Befall durch blattfressende Schmetterlingsraupen.
Die geringste mittlere Kronenverlichtung unter allen Baumarten weist der Bergahorn mit 14,3 Prozent auf. Hier konnte eine Verbesserung um 1,6 Prozent festgestellt werden.
Die Esche bleibt das Sorgenkind unter den baden-württembergischen Hauptbaumarten. Das Eschentriebsterben hat zu weiteren Laubverlusten um 3,9 Prozent auf 38,7 Prozent geführt. Die gezielte Vermehrung toleranter Eschen scheint ein Baustein zu sein, um dem weiteren Verlust dieser Baumart entgegenzuwirken.
Nach einem positiven Trend im letzten Jahr hat sich der Nadelverlust der Tanne in diesem Jahr um 2,4 Prozent auf 24,7 Prozent erhöht. Die starke Fruchtbildung hat die Bäume belastet. Zusätzlich schwächt die Tannen ein starker Befall durch die Tannenmistel. Die Mistel dringt direkt in die Leitungsbahnen der Bäume ein und entzieht diesen Wasser und Nährstoffe.
Für die Fichte konnte nach mehreren Jahren der Stagnation wieder eine positive Entwicklung verzeichnet werden. Der Kronenzustand hat sich um 2,3 Prozent auf 26,9 Prozent verbessert. Durch die günstige Witterung konnten die gut wasserversorgten Fichten die Buchdrucker mit reichlich Harzfluss abwehren. Es kann jedoch noch keine Entwarnung vor dem Borkenkäfer geben. Ein warmes und trockenes Frühjahr reicht und die Population wird schlagartig wieder ansteigen.
Den stärksten Verlust weist die Douglasie mit einer Erhöhung der Nadelverluste um 5,5 Prozent auf 26,6 Prozent auf. Die Douglasien Gallmücke und die Rußige Douglasienschütte breiten sich seit einigen Jahren vermehrt auch in Baden-Württemberg aus.
Der Nadelverlust der Kiefer stagniert auf einem Niveau von 28,5 Prozent. Besonders die Kiefer am Oberrhein leidet unter einem Schadkomplex aus Kiefernmistel, Diplodia-Triebsterben und Borkenkäferbefall.
Fazit
Die vergangenen beiden Jahre waren vergleichsweise niederschlagsreich, wodurch sich der Zustand vieler Wälder vorübergehend etwas verbessern konnte. Es wäre jedoch verfrüht – und angesichts des fortschreitenden Klimawandels auch fahrlässig – darin bereits eine nachhaltige Erholung zu sehen. Der Wald steht weiterhin vor enormen Herausforderungen, da die fortschreitenden Klimaveränderungen seine Entwicklung und Stabilität dauerhaft prägen werden. Auch in Zukunft ist mit extremen Wetterereignissen wie Dürre, Hitze, Stürmen und Insektenkalamitäten zu rechnen, die erhebliche Schäden verursachen können.
Die Baumart Fichte wird weiter an Bedeutung verlieren. In nennenswertem Umfang wird sie künftig vor allem in den montanen und hochmontanen Lagen des Schwarzwalds vorkommen, während sie in den tieferen Regionen Baden-Württembergs nur noch als Beimischung mit geringen Anteilen zu finden sein wird. Bereits heute ist eine ökonomisch tragfähige Fichtenbewirtschaftung in tieferen Lagen kaum mehr möglich. Auch das Verbreitungsgebiet der Buche wird sich verändern. Zukünftig wird sie vor allem kühlere und feuchtere Standorte – etwa auf der Schwäbischen Alb – besiedeln. In wärmeren und trockeneren Lagen hingegen stößt sie zunehmend an ihre physiologischen Grenzen und wird dort möglicherweise von trockenheitsresistenteren Baumarten verdrängt werden. Der Umbau der Wälder hin zu klimaresilienteren Beständen ist eine komplexe und langfristige Aufgabe. Am Beispiel der Douglasie zeigt sich, dass selbst als widerstandsfähig geltende Baumarten keine allgemeingültige Lösung bieten.
(Quelle: FVA Baden-Württemberg: Waldzustandsbericht 2025 - auszugsweise)
Kronenverlichtung 2025
Fichte: 26.9% (+1,4%)
Tanne: 24,7% (+4,3%)
Kiefer: 28,5% (0%)
Buche: 27,7% (-3,6%)
Eiche: 27,3% (-4,3%)
Esche: 38,7% (+3,9%)
Entwicklung des Waldzustands in Baden-Württemberg, nach Schadstufen (links) und nach Hauptbaumarten (rechts) von 1985 bis 2025 in Prozent aller Beobachtungen. (Zum Vergrößern auf die Grafiken klicken)
Neuere Werkzeuge der Waldzustandsbeschreibung und der waldbaulichen Planung sind die Vulnerabilitätskarten und die Karten der gegenwärtigen und zukünftigen Baumarten-Eignung.
Vulnerabilitätskarten
Die Vulnerabilitätskarten zeigen wie gefährdet die derzeit vorhanden Bestände zum jetzigen Zeitpunkt sind. Für die vier Hauptbaumarten Fichte, Buche, Traubeneiche und Weißtanne wird ein Gesamtwert auf Grundlage klimabedingter naturaler Risikofaktoren berechnet, wie z. B. Sturmwurfgefährdung oder Borkenkäferrisiko. Die Darstellung erfolgt in Brauntönen, je dunkler dieser ist, desto höher ist das Risiko für den Bestand.

Baumarten-Eignungskarten
Die Baumarten-Eignungskarten zeigen die Eignung der bei uns vorkommenden Hauptbaumarten Fichte, Buche, Traubeneiche und Weißtanne bei verändertem Klima für verschiedene Bezugszeitpunkte und Klimaszenarien. In Ampelfarben von grün (geeignet) bis rot (ungeeignet) erleichtert die Karte die Baumartenwahl, wenn durch Naturverjüngung oder Pflanzung eine neue Waldgeneration begründet werden soll. Der aktuelle Waldaufbau auf der Fläche ist dabei nicht berücksichtigt.
Geschichte der Waldschadensinventur
Ende der 1970er wurden - zunächst bei der Weißtanne - abnormale Nadelverluste festgestellt. Da sich diese so plötzlich einzustellen schienen, befürchtete man, dass die Weißtanne als Baumart aussterben könnte ("Tannen-Sterben"). Anfang der 1980er Jahre wurdenBesorgnis erregende Nadel- und Blattverluste auch an allen anderen Bäumen festgestellt. Das Szenario wurde zur apokalyptischen Vorstellung des "Waldsterbens" stilisiert.
Da die Schäden (bis zum Absterben ganzer Waldgebiete) am drastischsten in der Umgebung stark von Luftverschmutzung belasteter Industriezonen auftrat, suchte man zunächst in der Luftverschmutzung die Hauptursache. Die Diskussion führte zu politischen Schritten zur Luftreinhaltung, insbesondere zur Filterung und Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden, die man für die Bodenversauerung und damit indirekt für das "Waldsterben" verantwortlich machte ("Saurer Regen").
Als forstliche Umwelt-Monitoring-Maßnahme (Überwachung) wurde ab 1984 jährlich in Baden-Württemberg, bald darauf bundesweit, im Sommer eine "Waldschadensinventur" durchgeführt, deren Ergebnisse in einem Waldschadensbericht zusammengefasst wurden - später in Waldzustandsbericht umbenannt.
Dazu werden jährlich, teiweise in mehrjährigem Abstand, Untersuchungen durchgeführt. Dabei werden stets die selben Bäume in Raster-Stichproben (16x16, 8x8 und 4x4 km-Netz) begutachtet.
Was wird untersucht?
Das Forstliche Umweltmonitoring in Baden-Württemberg umfasst viele verschiedene Themen und Messgrößen, die mit unterschiedlicher Intensität auf den Messnetzen untersucht werden. Hierzu zählen sowohl baumbezogene wie auch standörtliche Parameter, die zwischenzeitlich so gut miteinander vernetzt sind, dass themenübergreifende Auswertungen möglich sind.
Untersuchungsschwerpunkte im Einzelnen sind: der Kronenzustand, die Phänologie, der Zuwachs und die Ernährungssituation der Bäume sowie der Bodenzustand und die Bodenvegetation, der Wasser-, Nähr- und Schadstoffhaushalt sowie der Witterungsverlauf.
Der Aufbau des Forstlichen Umweltmonitorings gliedert sich systematisch in zwei Ebenen:
Quelle: Auszüge aus dem Waldzustandsbericht 2016 (FVA BaWü)
Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen?
Als wichtigste und wirkungsvollste politische Gegenmaßnahme wurde Ende der 1990er Jahre eine konsequente Luftreinhaltepolitik betrieben (z.B. TA Luft).
Um der Versauerung der Böden Einhalt zu gebieten, wurden in Baden-Württemberg die am Stärksten betroffenen (versauerten) Waldstandorte mit dem Ziel der Stabilisierung der Böden einer
Bodenschutzkalkung unterzogen.
Waldbaulich wurde im Rahmen der Naturnahen Waldwirtschaft das Ziel, stabile Mischbestände zu erziehen, verstärkt.
Exkurs: Waldkalkung
Die Bodenschutzkalkung im Wald ist ein Instrument zur Kompensation von externen Säureeinträgen, zur Regeneration von Bodenfunktionen und zum Erhalt bzw. zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.
Waldböden besitzen eine natürliche Pufferkapazität gegenüber Säuren, die vom Ausgangsgestein und der historischen Entwicklung der Böden abhängt. Durch den Eintrag des „sauren Regens“
sind die pH-Werte sehr niedrig. Das bedeutet, dass für das Waldwachstum wichtige Nährstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium großteils bereits verloren gegangen sind, und das Bodenmilieu
sehr ungesund für Pflanzenwurzeln geworden ist. Auch viele Bodentiere und Pilze vertragen zu große Säurestärken nicht.
Die Böden sind nur über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten bis Jahrhunderten in der Lage, die verlorengegangenen Eigenschaften aus „eigener Kraft“, d.h. durch die
Verwitterungsvorgänge,wieder zu regenerieren, sodass die Standorte dauerhaft geschädigt bleiben bzw. dauerhaft in einen saureren Status übergegangen sind.
Seit 2010 zielt das in Baden-Württemberg durchgeführte Kalkungsprogramm auf eine langfristige Regeneration der natürlichen chemischen Ausstattung der Waldböden. Dieses auf den jeweiligen Waldstandort abgestimmte Kalkungskonzept zielt auf eine Wiederannäherung des Bodens an einen vor- bzw. frühindustriellen chemischen Zustand.
(Quelle: FVA BaWü (Waldzustandsbericht 2020)
