Gefährdungen des Waldes

Wald und Klimawandel


Was bedeutet Klimawandel?

Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zwischen 1850 und 2016 (Quelle: Weltorganisation für Meteorologie2017)
Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zwischen 1850 und 2016 (Quelle: Weltorganisation für Meteorologie2017)

Das Klima hat sich im Laufe der Erdgeschichte aufgrund natürlicher Ursachen immer wieder verändert. Kalt- und Warmzeiten wechselten sich ab. Man nehme nur die letzten Eiszeiten, die vor rund 10.000 Jahren zu Ende und in eine seither andauernde Warmzeit überging. Diese natürlichen Klimaschwankungen zogen sich über viele tausend Jahre hin.

 

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hingegen hat sich die globale Temperatur in um fast ein Grad erhöht, am raschesten seit Mitte des 20. Jahrhunderts - Tendenz steigend. Aus dem Bericht des Weltklimarats geht hervor, dass der weltweite Temperatur-anstieg über den Landmassen seither bereits 1,53 Grad erreicht hat. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die anhaltende Klimaerhitzung vor allem eine Folge menschlicher Aktivitäten ist.


Natürlicher Treibhaus-Effekt

Ohne den natürlichen Treibhaus-Effekt wäre ein Leben auf der Erde unmöglich, da die mittlere Oberflächen-Temperatur ohne ihn minus 18 Grad betrüge - ein Leben auf der Erde, wie wir es kennen, wäre unvorstellbar.

Die Gasschicht um unseren blauen Planeten absorbiert die Sonnenstrahlung zum Teil bereits in höheren Schichten. Die auf die Erde durchdringende Strahlung und ihrerseits wieder von der Erde ausgestrahlte Energie wird von dieser Gasschicht teilweise wieder reflektiert, und sorgt - ähnlich einem Glashaus - für den so genannten Treibhaus-Effekt.

 

Treibhaus-Effekt durch den Menschen

Wenn sich die natürliche Konzentration klima-wirksamer Gase wie Kohlendioxid, Methan oder Distickstoffoxid erhöht, heizt sich folglich das Erdklima zusätzlich auf.

 

Das Verbrennen fossiler Energieträger (wie zum Beispiel Kohle und Erdöl, siehe "Fossile Rohstoffe)  als Quelle für Wärme- und Stromgewinnung führt seither zu einer rasanten Anreicherung der klimaschädlichen Gase.

Den Hauptanteil des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes hat mit 60 Prozent das Gas Kohlendioxid.

Verschärft wird dieser Effekt durch großflächig Entwaldung, vor allem der Wälder im Tropengürtel, denn auch bei der Verbrennung von in unserer Zeit gewachsenem organischem Material wird Kohlendioxid (CO2) emittiert. Durch die weltweite Vernichtung von Waldflächen, insbesondere durch Brandrodung zur Gewinnung von Weideland, entstehen 20% des Ausstosses des Treibhausgases Kohlendioxid. Da Bäume bei ihrem Wachstum der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen, ist dieser Verlust an Waldflächen doppelt tragisch.

Land- und Viehwirtschaft verursachen Gase wie Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (Lachgas, N2O). Kohlendioxid, Methan und Lachgas gehören zu den treibhauswirksamen Gasen. Ihre Anreicherung in der Atmosphäre verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt. Das Weltklima heizt sich auf.

 

Fossile Rohstoffe

Vor rund 300 Millionen Jahren wuchsen am Rande eines flachen Meeres in warm-feuchtem Klima riesige Sumpfwälder. Durch zeitweise steigenden Meeresspiegel starben die Sumpfwälder ab und versanken im Wasser, ein Vorgang der sich oft wiederholte. Unter Luftabschluß wurden das Holz im Laufe der Zeit zu Kohle umgewandelt. Auch die Entstehung des Öls hat organischen Ursprung, als vor rund 150 Millionen Jahren winzige Meeres-lebewesen nach dem Absterben an den Grund des Meeres absanken, durch Sedimente überdeckt wurden und im Laufe der Zeit zu Erdöl umgewandelt wurden.

Noch im späten Mittelalter war der Mensch praktisch alleine auf den Rohstoff Holz als Baumaterial, aber auch als Energiequelle angewiesen (siehe Waldgeschichte), ein Umstand der in Europa zur großflächigen Vernichtung der Wälder im 17. und 18. Jahrhundert führte. Mit der Entdeckung der energiereichen und scheinbar unbegrenzt verfügbaren fossilen Rohstoffe Stein- und Baunkohle sowie Erdöl nahm die Industrialisierung ihren Aufschwung, da Energie nun kein wachstumsbegrenzender Faktor mehr war.


"Kipp-Elemente"

Der Prozess der Klimaerwärmung verläuft nicht linear, sondern wird durch weitere durch den Temperaturanstieg verursachte Veränderungen verstärkt - ein Teufelskreislauf:

Das Schmelzen der Gletscher weltweit führt nicht nur zu einem Anstieg des Meeresspiegels, der flache Inseln und Küstenregionen bedroht, sondern führt durch den Verlust der weißen, stark reflektierenden Schnee- und Eisfläche zu einer verstärkten Absorption von Wärme-Energie, da sich dunkle Flächen rascher aufheizen als helle. Als dramatischer "Nebeneffekt" schmelzen damit auch die ohnehin schon relativ geringen Trinkwasser-Reserven dahin.

 

Einen ebenso dramatischen Effekt hat das Auftauen der Permafrostböden im borealen, also bislang kalten Klimagürtel der Erde. Pflanzen und Tiere, die vor langer Zeit dort zu Tode kamen und im bislang ganzjährig gefrorenen Boden konserviert wurden, werden nun aufgetaut und von Organismen zersetzt, wodurch riesige zusätzliche Mengen der klimaschädlichen Gase in die Atmosphäre freigesetzt werden.

 

Unser Planet heizt sich auf. Gletscher, Schnee und Dauerfrostböden tauen. Das Video zeigt, wo Sie dem Klimawandel zuschauen können. (Zeit Online)


Folgen der Erderwärmung

Das Abschmelzen des Gletschereises an Nord- und Südpol und in borealen Gebieten (etwa Grönland) und die durch die Klima-Aufheizung bedingte thermischen Ausdehnung der Ozeane  werden der Meeresspiegel steigen lassen. Die Süßwasser-Reserven der der Gletscher gehen verloren.

 

Meeresbewohner leiden durch die Übersäuerung der Meere durch vermehrte Bindung von Kohlendioxid im Wasser - als Kohlensäure. Diese Versauerung gefährdet Muscheln und Korallen. 

 

Unmittelbare Auswirkungen hat der Klimawandel schon jetzt auch auf den Menschen: Während mancherorts Stürme, Wirbelstürme und Starkregenfälle zunehmen und zu Überschwemmungen führen, haben andere Regionen mit lang anhaltenden Dürreperioden und Hitzewellen zu kämpfen. Hieraus resultieren wiederum Ernteausfälle und Wasserknappheit, damit die Veränderungen ganzer Lebensräume.

 

Mögliche Folgen sind globale Wanderungsbewegungen von Menschen, die Nahrung, Sicherheit und Lebensraum suchen. Eine "Völkerwanderung" von Menschen, die aus unbewohnbar heiß gewordenen Gebieten, etwa aus Nordafrika zu uns kommen, würde zusätzlich verschärft werden durch Menschen aus Küstenregionen auf der ganzen Welt, die wegen des Anstiegs des Meeresspiegels ihr Zuhause verlieren.


Auswirkungen des Klimawandel auf den Wald

Bäume sind Lebewesen, die nur langsam wachsen und sich langsam, oft in hunderten von Jahren, entwickeln. Sie können nicht kurzfristig auf veränderte Lebensbedingungen reagieren.

 

Baumarten, die wärmeliebend sind und mit weniger Niederschlägen auskommen, etwa die die Kiefer und die Eiche, könnten mit wärmerem Klima zurecht kommen. Die Fichte wird unter dem Klimawandel mit hoher Wahrscheinlichkeit am meisten leiden, da sie mit der Erwärmung und zugleich abnehmender Feuchte keine guten Wuchsbedingungen mehr vorfinden wird. Häufiger vorkommende Starkniederschläge und Sturmereignisse dürften diesen Effekt verstärkten. Diese Schwächung wird zu weiteren Borkenkäfer-Kalamitäten führen.

 

Prognosen zur Zusammensetzung unserer Wälder der Zukunft sind deshalb schwierig, weil nicht nur die Ansprüche der Bäume eine Rolle spielen. Es ist ebenfalls einzukalkulieren, wie Schadorganismen der Bäume auf den Klimawandel reagieren. Hierbei sind auch durch den Einfluss von infolge der Globalisierung neu einwandernde Pflanzen (Neophyten), Tiere (Neozoen) und Pilze zu berücksichtigen .

 

Der Wald ist also Leidtragender des Klimawandels. Gleichzeitig ist er aber auch Hoffnungsträger im Kampf gegen die Kohlendioxid-Emissionen, da Wälder durch das Wachstum jedes Baumes Kohlendioxid aufnehmen und dann lebenslang - und bei der Holznutzung des Menschen für langlebige Güter weit über das Baumleben hinaus -  im Holz „lagern". Nicht zu unterschätzen ist die Rolle des Waldes als Wasserschutz, der den Boden bei naturnaher Waldbewirtschaftung vor Austrocknung schützt und damit nicht nur die Boden- und Standortsqualität erhält, sondern auch die Wasserversorgung sichern hilft.


Klimaschutzgutachten 2016 - Empfehlungen für Forst- und Holzwirtschaft

Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachg elagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung

 - Gutachten 2016 der Wissenschaftlichen Beiräte für Waldpolitik und für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft -

  • Produktive Wälder sichern und Potenziale zum Klimaschutz nachhaltig nutzen
    • Anbau von angepassten und produktiven Baumarten fördern, insbesondere von trockenheitstoleranten Nadelholzarten in Mischbeständen mit Laubholz
    • Anpassung des Waldes an den Klimawandel
  • „Langlebigkeit“ von Holzprodukten steigern und deren Kaskadennutzung fördern
  • Klimaschutzeffekte bei der Ausweisung von Waldschutzgebieten beachten
  • Schutz von Waldböden gewährleisten
  • Beratung und Betreuung kleiner und mittlerer Privat - und Kommunalwald betriebe zur Erreichung von Klimaschutzzielen verbessern
  • Kommunikation der positiven Klimaschutzleistungen der Forstwirtschaft und Holzverwendung verstärken

In der Aufgabe der forstlichen Nutzung von Wäldern sehen die Beiräte keine langfristig geeignete Maßnahme des Klimaschutzes, gleichwohl sie ein wichtiges Instrument zur Erreichung bestimmter Ziele des Biodiversitätsschutzes

darstellt.

 

Die quantitativ größten Minderungspotenziale liegen in absteigender Reihenfolge in folgenden Bereichen:

  1. Veränderung der Baumartenzusammensetzung in der forstlichen Produktion (Erhöhung des Nadelbaumanteils) (langfristig wirksam),
  2. Schutz von Mooren unter derzeitiger landwirtschaftlicher Nutzung (langfristig umsetzbar/wirksam),
  3. Reduzierung des Konsums tierischer Produkte (mittelfristig wirksam),
  4. Lignocellulose aus landwirtschaftlicher Produktion (z. B. aus Kurzumtriebsplantagen) (mittelfristig wirksam),
  5. Erhöhung der stofflichen Nutzung von Holz in langlebigen Holzprodukten (langfristig wirksam) und
  6. Verbesserung der N-Effizienz der Düngung (kurzfristig wirksam).

Die Kosten der Vermeidung von THG-Emissionen liegen in diesen Bereichen je nach Umfang der Umsetzung und Standort häufig unter 50 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent. Bei den konsumseitigen Maßnahmen hängen deren Umsetzbarkeit und die damit verbundenen Kosten stark davon ab, wie sich die Konsumentenpräferenzen im Zeitablauf ändern, z.B. hin zu weniger tierischen Produkten.

Die Maßnahmen unterscheiden sich z.T. deutlich hinsichtlich des Zeitbedarfs, den ihre Umsetzung erfordert, und der Dauer, ab wann die angestrebten Klimaschutzeffekte eintreten. Insbesondere die Maßnahmen mit den größten Minderungspotenzialen (Erhöhung des Nadelbaumanteils, Moorschutz) sind nur langfristig umsetzbar und brauchen Jahrzehnte, bis sie wirksam werden. Deshalb ist es wichtig, mit der Umsetzung dieser und der weiteren Maßnahmen möglichst rasch zu beginnen.

 

Abschließend betonen die Beiräte: Ambitionierte Klimaziele sind notwendig. Damit diese erreicht werden können, müssen Land- , Forst- und Holzwirtschaft sowie die Konsumenten von Lebensmitteln stärker als bisher zum Klimaschutz beitragen. Dass hierfür ein großes Potenzial besteht, wird in diesem Gutachten aufgezeigt. Die notwendige Transformation zu einer sog. kohlenstoffarmen Wirtschaft wird Jahrzehnte beanspruchen und sollte daher als langfristiger Lern- und Anpassungsprozess aufgefasst werden. Gerade weil einige vom Minderungspotenzial her gewichtige Klimaschutzmaßnahmen lange Zeit benötigen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, ist es

dringend geboten, zügig mit der Umsetzung zu beginnen.


Informationsquellen

Sonderberichte 2018 des Weltklimarates zur Erderwärmung